Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Den Sieg der USA im Irak als gut gehütetes Geheimnis behandeln

US-Präsident Barack Präsident Obama hat seinen Truppenabzugsplan aus dem Irak bekannt gegeben. Ist dieser Krieg gewonnen?

Sieht so aus, bleibt aber ein gut gehütetes Geheimnis der Medien. Im Februar sind 146 irakische Zivilisten umgekommen, im Februar 2008 waren es 546, im Februar davor 2846. Dann kamen der „Surge“ und der Strategiewechsel unter General Petraeus, der a) die Offensive und b)die Quasi-Allianz mit den sunnitischen Stammesführern betonte. Eine Provinz nach der anderen ging in Regierungshand über, die jüngsten Lokalwahlen zeigen sogar an, dass Demokratie (noch nicht ganz Westminster oder Washington) Wurzeln geschlagen hat. Die amerikakritische Linke steht jetzt vor einem Dilemma: Der „böse“ Krieg im Irak wird gewonnen, der „gute“ in Afghanistan sieht gar nicht gut aus.

Muss die Bundesregierung nicht nur deutsche Banken, sondern auch Osteuropa mit Milliarden retten?

Muss schon (und dazu gehört auch Irland, eventuell demnächst auch Spanien und Österreich), aber woher nehmen? Die Kritiker des Euro haben schon vor zehn Jahren vor den Konsequenzen einer gemeinsamen Geld- und einer ungemeinsamen Wirtschaftspolitik gewarnt: Entweder müsste ein Finanzausgleich (wie in Deutschland) stattfinden, oder die unverantwortlich agierenden Länder müssten sich selber mit Strenge kurieren (etwa durch Sparkurs oder Lohnzurückhaltung). Jetzt steht der Wolf vor der Tür. Wir sollten den anderen helfen, aber nur unter den allerschärfsten Auflagen. Wo wir das Geld hernehmen? Darüber zerbrechen wir uns den Kopf morgen.

Bischof Williamson hat sich entschuldigt. Soll nun die Causa ad acta gelegt werden?

Nein. Dass ein so hoher Würdenträger überhaupt öffentlich die Judenvernichtung leugnet, ist der Skandal Nr. 1. Dass der Vatikan diesen Mann wieder in den Schoß der Una Sancta zurückholt, ist der zweite. Der dritte ist der allzu langsame Erkenntnisgewinn des Bischofs W. Da kann nicht die Einsicht, sondern nur der mörderische Druck im Spiel gewesen sein. Benedikt und alle Kurienkardinäle sollten hier ein eindringliches Gespräch mit Gott und sich selber führen.

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik ...

WmdW sucht jede Woche erneut nach der deutschen Außenpolitik, findet sie aber nicht, weil a) A. Merkel und F. Steinmeier jetzt schon damit begonnen haben, sich gegenseitig im Weg zu stehen (siehe: Wahlkampf) und b) die Weltwirtschaftskrise sich weiter- und weiterfrisst. Trotzdem muss Berlin Entscheidungen treffen: Den EU-Pleiteländern helfen oder nicht (siehe Frage 2), und die übersensiblen Polen in der Causa Steinbach begöschen. In der nächsten Abteilung: Afghanistan, Iran und Nahost-Friedensprozess. So, um den Beginn des Wahlkampfes herum.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“.

Fragen: fal

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