Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Über Menschenrechte reden, als ginge es darum, Katzen zu Vegetariern zu machen. Joffe zur UN-Menschenrechtskonferenz in Genf.

Heute beginnt in Genf die umstrittene UN-Menschenrechtskonferenz. Kann man über Menschenrechte diskutieren?



Natürlich. Die eigentliche Frage ist bloß: mit wem? Nehmen wir den UNMenschenrechtsrat, der die DurbanÜberprüfungskonferenz in Genf organisiert. Unter den 53 Mitgliedern befinden sich solch hochkarätige Verteidiger der Menschenrechte wie Kongo, Sudan, Simbabwe, China, Saudi-Arabien und Kuba, plus 37 andere von diskussionswürdiger menschenrechtlicher Qualität. Der Westen bringt nur zehn Mitglieder ein, plus eine Handvoll Länder wie Japan oder Ungarn. Das Debattierfeld ist also ein wenig unausgeglichen. Hier über Menschenrechte zu diskutieren, ist wie weiland mit den Sowjets über den Rechtsstaat. Der war selbstverständlich Teil der UdSSR-Verfassung, aber in Wahrheit war er eine Parodie. Mit Khartum und Co. über Menschenrechte zu reden, ist wie mit einer Katze den Vegetarismus zu erörtern.

Die Amerikaner befreien ihren Kapitän mit Gewalt; die Deutschen eskortieren die Piraten ohne einzugreifen. Was ist die bessere Vorgehensweise?

Das werden wir sehen. Bisher mussten die Piraten kein Risiko eingehen; neuerdings werden sie von Amerikanern erschossen und von Franzosen zur Aburteilung an Kenia ausgeliefert. Das Risikokalkül hat sich also verschlechtert, und da die Somali-Piraten keine Dschihadis sind (die gern für Gott stürben) dürfte sich die Situation auf See verbessern. Damit wäre das Problem noch nicht gelöst, weil noch etwa 18 Schiffe und an die 310 Matrosen in piratöser Gewalt sind. Dennoch: Die Hebel auf westlicher Seite sind jetzt etwas länger.

Pakistan bekommt vom Rest der Welt fünf Milliarden Dollar. Was braucht das Land sonst noch?

Ist das eine Scherzfrage? Also: Eine regierungstreue Armee, die bereit ist, für die Nation und gegen Stammesinteressen zu kämpfen, einen ebensolchen Geheimdienst, eine verantwortungsbewusste Politikerkaste, eine unabhängige Justiz, eine funktionierende, korruptionsreduzierte Wirtschaft. Was es nicht braucht: islamistische Medressen, kollektive Hysteriebereitschaft und Terrorbrigaden, die gern auch die eigenen Politiker meucheln.

Ein Wort zu Amerika ...

WmdW befindet sich gerade in Michigan, wo bekanntlich die Autoindustrie stirbt. Furore macht hier die Familie Wojtowiz, die unter Verarmungsdruck Kreditkarten, Satelliten-TV und alle Komforttechnik aufgegeben hat, um auf ihren 16 Hektar vom Land zu leben. Wo soll das bloß hinführen? Blockhäuser, Pferde, Square-Dance? Manhattan an die Mohikaner zurück? Der „New Yorker“ als Agrar-Ratgeber? WmdW wünscht Amerika die rasche ökonomische Erholung. Wer würde sonst Youtube und iPod erfinden?

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“ und berichtet im April aus den USA.

Fragen: fal

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben