Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Jeden Montag beantwortet "Zeit"-Herausgeber Josef Joffe vier Fragen zur Außenpolitik. Heute über Afghanistan, Nordkorea, Russland - und Frank-Walter Steinmeier.

Baitullah Mehsud, die Nummer eins der Taliban in Pakistan, wurde von einer US-Drohne getötet. Wird der Krieg in Afghanistan jetzt aus der Luft gewonnen?



Nein, aber es ist eine interessante Wende. Bekanntlich haben Teile des pakistanischen Machtapparats die Taliban schon zu Sowjetzeiten unterstützt; sonst hätten die sich nicht im Nordwesten Pakistans festsetzen können. Jetzt haben die Machthaber in Islamabad erkannt, dass sie eine tödliche Bedrohung für das eigene Regime sind – und arbeiten systematisch mit den USA zusammen. Dies war kein Triumph des Hightech, sondern, wie immer im Krieg, der Aufklärung. Auch die Bevölkerung, die den Tipp gegeben haben muss, scheint die frommen Totalitären nicht mehr so richtig zu schätzen

Nordkoreas Diktator bekam Besuch von einem (Ex-)US-Präsidenten. Wird das den Atombombenbauer milde stimmen?

Nein. Erstens genoss auch Papa Diktator, Kim Il Sung, schon mal die Ehre, 1994 durch Ex-Präsident Carter. Seitdem hat Nordkorea zweimal die Bombe getestet, Bomben-Know-how gegeben, Interkontinentalraketen aufgelegt und insgesamt die Nachbarschaft terrorisiert. Nordkorea lebt von der Erpressung und deren Profiten, vor allem der Aufmerksamkeit, welche die Großen diesem Hungerstaat schenken. Erpresser hören auch nie auf, weil das Geschäft einfach zu lukrativ ist. Wer würde diesem Drittklassediktator auch nur einen Ministerialrat schicken, wenn Papa und Sohn das Land nicht systematisch zur übelsten Bedrohung der Welt aufgebaut hätten?

Die Russen bauen eine eigene Gaspipeline. Keine Konkurrenz zur EU-Pipeline Nabucco, sagt Brüssel. Stimmt das?

Was soll die EU sonst sagen? Den Großen Bären beleidigen, der allerdings auch mantramäßig wiederholt, dass sein Gas auf keinen Fall strategisch eingesetzt werden soll? Natürlich hat Moskau/Gasprom das getan und wird es weiter tun. Oder muss gar nichts tun, weil Europas gewaltige Abhängigkeit gewaltige Machtfakten schafft. Nabucco, die einzige Gasleitung aus Asien, die Russland nicht berührt, kann aber die Abhängigkeit nur mindern; ihre Kapazität ist nur ein Bruchteil dessen, was die EU aus Russland importiert.

Ein Wort zum Außenminister …

Der verspricht, in zehn Jahren vier Millionen Jobs zu schaffen. 400 000 pro Jahr – das sind Dimensionen, die die Vorstellungskraft weder sprengen noch beflügeln, jedenfalls die SPD nicht von ihrem 20-plus-Prozent-Mühlstein befreien. Um die älteste deutsche Partei wieder zur Volkspartei zu machen, braucht es mehr Feuer, befürchtet „WmdW“. Sonst gibt es nach der Wahl eine „kleine Koalition“ aus Union (Mehrheit) und einem Juniorpartner namens SPD.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mos.

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