Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Junkie-Dealer-Beziehungen führen und aus Kinderliebe den Benz nehmen

China und die USA sind seit letzter Woche beste Freunde. Eine gute Nachricht für den Rest der Welt?

Wer sagt das – Drache und Adler als beste Freunde? Staaten sind keine Freunde und Großmächte schon gar nicht. Erst recht nicht China und Amerika, obwohl Obama zu glauben scheint, dass die freundliche Rede Berge bzw. Rivalitäten und Interessen versetzt. Amerika ist wie jeder Hegemon eine Status-quo-Macht, China wie jeder Aufsteiger eine revisionistische, die mehr will, als sie hat. Historisch beispiellos ist aber die Junkie-Dealer-Beziehung zwischen den beiden, wobei man nicht so genau weiß, wer was ist. Der eine exportiert, der andere importiert wie verrückt. So viel Abhängigkeit ist nicht gut für die Freundschaft, wie beide im weltweiten Abschwung gerade gelernt haben.

Am Mittwoch soll der iranische Präsident vereidigt werden. Wer steht überhaupt noch hinter ihm?

Das Volk, jedenfalls die Städter, kann ihn nicht ausstehen. Ein Teil der Macht- elite (im Wächter- und Expertenrat) fürchtet seinen diktatorischen Machttrieb. Aber der Mann hat den militärisch-industriellen Komplex (Revolutionsgarden, Milizen) hinter sich, vielleicht auch den Religionsführer Chamenei und den Großteil der Streitkräfte. Die Revolution schwelt weiter. Wenn jetzt Obama, wie aus Washington zu hören ist, wegen Afghanistan und Irak einen Deal ausheckt und Teheran ihn annimmt (das weiß man nicht bei Regimen, die den Feind brauchen), könnte A. es geschafft haben.

Der Gouverneur von Kalifornien ist so unbeliebt wie nie. Kann Arnold Schwarzenegger bald wieder Actionfilme drehen?

Wenn ja, dann braucht er gute Doubles, weil er als Terminator zu alt ist fürs Gewaltgeschäft, wo er auf dem Motorrad gegen jeden Monstertruck gewinnt und dabei, ohne nachzuladen, Hunderte niedermäht. Andererseits muss man dem Ex-Steiermärker Nachsicht schenken: Der „Goldene Staat“ ist unregierbar. Kalifornien, so lang wie die US-Westküste, gehört aufgeteilt in Süden, Mitte und Norden. Bei uns ist ja schon Schleswig-Holstein nicht regierbar. Zusammen mit NRW und Bayern wäre ein solches Gebilde sogar zu viel für einen Potenzbrocken wie Berlusconi.

Ein Wort zum Außenminister …

Der will Ulla Schmidt nicht in seinem Wahlkampfteam haben. Warum bloß? Die Frau hat sogar ihren Urlaub in den Dienst der Nation gestellt und mit Pensionisten geplaudert. Außerdem liebt sie Kinder, hat sie doch den Sohn des Fahrers mitgenommen. Den Panzerwagen brauchte sie, weil Gesundheitsminister nie Freunde haben. Alles wäre nicht passiert, wenn wir unsere Minister besser bezahlten, damit sie auch in Alicante einen Benz mieten können. Oder sollen sie im Panda zum Strand fahren? Sarkozy wäre im Flugzeugträger angereist.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mos.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar