Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Geschmeidig zurückrudern und bei der Wahl die bedrohten Arten schützen

Magna steigt bei Opel ein: Barack Obamas Wahlgeschenk an Merkel?

Obama räumt dem deutschen Wahlkampf so viel Zeit ein wie fürs Lesen einer Twitter-Meldung (ohne Gewähr). Zweitens schuldet er Merkel nichts, die ihm bekanntlich im Sommer ’08 nicht das Brandenburger Tor aufmachte, sondern ihm nur die Siegessäule erlaubte. Drittens weiß Obama, dass M. Kanzler bleibt und muss ihr deshalb nichts schenken. GM kriegte einfach nicht die Mias. für den Opel-Behalt hin. Aber schaden kann ihr der Verkauf an Kanadier, Österreicher und Russen (welche eine Combo!) auch nicht. Alles, was in diesen letzten Tagen vor der Wahl gut läuft, läuft gut für Merkel.

Auch von Deutschlands Verbündeten kam viel Kritik an dem von der Bundeswehr angeordneten Luftschlag. Sind wir von Freunden umzingelt?

Ja, doch. Richtige Freunde merken es, wenn sie dem anderen aufs Hühnerauge treten. Außerdem darf man einen Mann wie den französischen Außenminister Kouchner sowieso nicht ernst nehmen, der als erster „großer Fehler“ gebrüllt hatte; Bombe und Bombast kann er schlecht auseinander halten. Dito den Außenminister des Großstaates Luxemburg (Armee: 900), der den Tod von Zivilisten an die Wand malte und deshalb den Angriff geißelte, bevor irgendeine verlässliche Zahl da war. Das Pariser Außenamt ist geschmeidig zurückgerudert, Washington auch. Kein Wunder: Die Deutschen stellen mit 4200 Mann das drittgrößte Kontingent nach den Amerikanern und Briten.

Fischer oder Steinmeier: Wer war der bessere Außenminister?

Wann haben Sie aufgehört, Ihre Frau zu schlagen? Eine solche Frage beantwortet „WmdW“ natürlich nicht. Joschka F. hatte es schwerer als F.-W. Steinmeier. Er musste das Land 1999 in den Kosovo-Krieg ziehen (und kriegte dafür eine Farbbeutel-Attacke auf dem Grünen-Parteitag). Er musste im Vorfeld und während des Irakkrieges dafür sorgen, dass Schröder, der sich mit Chirac und Putin gegen Bush verbündet hatte, das Verhältnis zu Amerika nicht komplett vergiftete. Solche Probleme hatte FWS Gott sei Dank nicht, und deshalb kann man ihn mit Joschka F. nicht vergleichen. Das wäre wie: „Nachts ist es kälter als draußen.“

Ein Wort zum deutschen Wahlkampf …

Es wiederholen sich 2002 und 2005; was im Sommer in Stein gemeißelt ist – die Umfrage-Lage – wird vor dem Wahltag zur Knete. Plötzlich rutscht Schwarz-Gelb ab, plötzlich mopst sich die Linke mit bis zu 14 Prozent. Nur der SPD hilft’s nicht. Damit diese große alte Partei nicht unters Artenschutzabkommen fällt, rät „WmdW“: „Wenn Sie schon links wählen wollen, dann die Blassroten, die stets Verantwortung und Vernunft bewiesen haben – in der Regierung wie außerhalb.“ Und nicht eine Partei, die „Reichtum für alle“ vorgaukelt.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mos.

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