Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Konkurrieren und kooperieren und auf die Familie setzen

Terror in Pakistan: Wie stabil ist die Atommacht?

So stabil wie Jordanien und Saudi-Arabien, denen wir vor nicht so langer Zeit nachgesagt haben, sie würden schon morgen einem Aufstand der Palästinenser (Amman) oder einem Putsch der Prinzengarde (Riad) zum Opfer fallen. Pakistan sei eine Zeitbombe mit einer kurzen Lunte, heißt es, und trotzdem hat dieser unmögliche Staat (zu viele Völker, zu wenig (Staats-)Volk), seit 60 Jahren überlebt – mal als Militärdiktatur, mal als Quasi-Demokratie und immer mit Mord an seinen Führern (zuletzt Benazir Bhutto). Vom Krieg gegen Indien, als Ostpakistan alias Bangladesch verloren ging, ganz zu schweigen. Gefahr droht dem Staat nur von seinem Militär (das oft genug geputscht hat), nicht von den Taliban.

Hillary Clinton setzte in Moskau auf Annäherung. Präsident Medwedew antwortet mit einer härteren Militärdoktrin. Ein Schlag ins Gesicht?

Nur wer ein kurzes Gedächtnis hat, weiß nicht mehr, dass die „neue“ atomare Erstschlagsdoktrin, auch gegen einen konventionellen Feind, stets Teil der sowjetisch/russischen Strategie gewesen ist. Es gab nur eine Zeit, als die Russen die USA in den 80ern bedrängten doch ihre Erstschlagsdoktrin zu kippen, wohl wissend, dass die nie darauf eingehen würden. Grundsätzlich: Wie sich ein Staat im Extremfall verhält, kann keine Doktrin voraussagen, geschweige denn bestimmen. Das Timing dieser „neuen“ Doktrin lehrt auch ein Zweites: Es wird zwischen Moskau (dem deklassierten Herausforderer) und Washington (dem Platzhalter) keine stabile Beziehung geben, nur ein Gemisch von Konkurrenz und Kooperation.

Jean, der 23-jährige Sohn von Präsident Sarkozy, soll eine Behörde leiten, die mit Milliardensummen umgeht. Nepotismus?

Ah, la grande nation! Bei uns kocht schon die Volkswut, wenn eine Ministerin mal den Dienst-Benz zum Strandausflug missbraucht. In Frankreich gehört die „grande corruption“ zum guten Ton, nach der Devise: Ich diene dem Volke, also habe ich es auch verdient. Außerdem: Niemand ist ein besserer Zuarbeiter als eigen Fleisch und Blut. Und logischerweise ist keiner besser befähigt als der Sohn des intelligentesten und coolsten Präsidenten aller Zeiten. Merke: Am meisten Verlass ist auf die Familie.

Ein Wort zu Amerika …

Die vom Staat geretteten und teilverstaatlichten Banken scheffeln Geld wie nie zuvor. Das beweist die Nutzlosigkeit des Kapitalismus und die Überlegenheit der Staatswirtschaft. Diese Finanzkrise war (außer für Lehman) für die Banken das beste Geschäft aller Zeiten. Warum funktioniert das bei uns nicht? Warum sind alle Landesbanken und andere staatliche pleite, während die US-Institute wie Dagobert Duck im Geld baden?

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“ und lehrt bis Jahresende an der Stanford University. Fragen: mos.

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