Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Einen Churchill für die EU suchen – und Amerikas Wirtschaft wachsen sehen

Tony Blair ist aus dem Rennen. Wer wäre der beste Ratspräsident für die EU?



Adenauer. Churchill. Bill Clinton. Also einer, der eine Vision hat, dazu Charisma, Schläue, pragmatische Durchsetzungskraft. Oder vielleicht ein Cavour, der Italien geeint hat. Andererseits: So einen starken Führungstypen will Europa in Wahrheit nicht. Insgeheim wollen wir doch lieber einen Sekretär, der es allen recht zu machen versteht. Die Macht, sie liegt noch immer bei den Merkels, Sarkozys und Browns. Trotz dieses Handicaps ist Europa in den letzten 50 Jahren gut vorangekommen. Ein Vermittler ist in diesem Fall besser für den Job als ein Menschenfischer.

Nach dem Kundus-Bericht: Hat die Bundeswehr doch alles richtig gemacht?


Das könnte WmdW erst wissen, nachdem er den Bericht von mehreren hundert Seiten, der auch noch „VS-Geheim“ gestempelt ist, gelesen hat. Und auch dann bleiben Fragen. Auch Generalinspekteur Schneiderhan weiß nicht, ob 17 oder 142 Menschen getötet wurden. Der Bericht, sagt er, belege freilich „nicht, dass Unbeteiligte getötet wurden“. Deutschland ist in Kundus in den Nicht-Krieg gezogen und befindet sich jetzt in einem richtigen. Im Krieg sind deutsche Staatsanwälte nur bedingt einsatztauglich. Die Gesetze, die in einem Gemeinwesen gelten müssen, werden an der Front von einem Gegner zerrissen, für den der Regelbruch zur Strategie gehört. Es gilt also vorweg das Kriegsrecht, das auf unserer Seite Umsicht und Proportionalität heischt – und der anderen als Kriegsverbrechen anrechnet, wenn sie sich hinter Zivilisten versteckt. Bloß steht hinter den Taliban kein afghanischer Staatsanwalt.

US-Außenministerin Hillary Clinton geht davon aus, dass sich die Führung von Al Qaida „irgendwo in Pakistan“ aufhält. Weiß die pakistanische Führung das auch?

„Irgendwo“ ist in einem Land von 800 000 Quadratkilometern, das mehr als doppelt so groß ist wie Deutschland, keine briefträgergerechte Ortsangabe. Also ist „irgendwo“ immer richtig, ob aus amerikanischem oder pakistanischem Munde. Aber nicht sehr interessant. Interessanter wäre es zu wissen, ob das pakistanische Militär, das einst die Taliban munitioniert hat, inzwischen Al Qaida als Staatsfeind sieht. Dann würde ISI (der Geheimdienst) gewiss die genaue Adresse herausfinden und den dortigen Gästen einen Besuch abstatten. Bis jetzt hat das Militär diese Entscheidung allenfalls sehr halbherzig getroffen.

Ein Wort zu Amerika ...


Die Wirtschaft wächst wieder, mit gesunden 3,5 Prozent. Aber so richtig trauen die Märkte dem Frieden nicht. Der Dow-Jones-Index geht mal 200 Punkte rauf, mal 200 runter. Das nennt man „Volatilität“ – einen Zustand zwischen „himmelhoch jauchzend“ und „zu Tode betrübt“.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: fal

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