Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Über Staatshilfen für GM sinnieren und dem Ölpreis für den Mauerfall danken

General Motors behält Opel. Wie beschädigt ist das transatlantische Verhältnis?

Überhaupt nicht. Es kommt doch heutzutage nicht mehr darauf an, wem ein Werk gehört, sondern ob es bleibt und weiter produziert. Es geht also um Jobs, nicht um Besitztitel. Aus dieser Logik heraus denkt Finanzminister Schäuble sogar über staatliche Hilfen für GM/Opel nach. All das ist überhaupt nicht aufregenswert. Amerikanische Bundesstaaten haben schon vor vielen Jahren fette Subsidien an BMW in South Carolina oder Daimler in Alabama gegeben, um deren Produktionsstätten an Land zu holen. Dito für japanische Firmen.

Zwanzig Jahre Mauerfall. Wem haben wir das in erster Linie zu verdanken?

Günter Schabowski, seinerzeit Propagandachef im ZK der DDR. Der hatte von Tuten und Blasen keine Ahnung, als er am 9. November vor die weltweiten Medien trat. Bloß die Akten mit der neuen Reiseregelung, die ihm Egon Krenz, der Parteichef, zugesteckt hatte. Wann sollte denn die Regelung in Kraft treten, wollte ein Journalist wissen, und Schabowski, der den Passus nicht finden konnte, holperte – seines Wissens, gleich. Zweiter Dank geht an den Ölpreis, der Mitte der 80er so weit verfallen war, dass die Sowjetunion ihre Satrapen wie die DDR nicht mehr finanzieren konnte. Gorbi war pleite – und die DDR auch. So ließ sich kein Staat mehr machen. Geschweige denn halten.

Israel deckt Waffenschmuggel auf. Was ist gefährlicher in Nahost – der Siedlungsbau oder die Wiederaufrüstung von Hisbollah und Hamas durch den Iran?

Siedlungen, weil ziemlich unbeweglich, lassen sich schlecht als Offensivwaffen einsetzen. Raketen, zumal jene mit längerer Reichweite, aber sehr wohl. Wenn die, wie im Libanon, von der bestmotivierten und -trainierten Truppe der arabischen Welt eingesetzt werden, sind sie noch gefährlicher. Und wenn hinter beiden ein herrschsüchtiger Staat wie der Iran steht, der im Namen Gottes zu agieren glaubt, wird es noch gefährlicher. Schließlich: Es sieht nicht danach aus, als wolle der Iran den Griff nach der Bombe aufgeben.

Ein Wort zu Amerika ...

In Washington, wo WmdW gerade ist, hängen die Flaggen auf Halbmast, weil ein amerikanischer Major namens Nidal Hasan im Amoklauf 13 Menschen im Stützpunkt Fort Hood ermordet hat. Beachtlich, wie vorsichtig die Medien über die politischen Motive des Mannes berichten, um ja nicht in den Verdacht des Generalverdachts zu geraten. Das geht so weit, dass die „Washington Post“ am Samstag über „einen Mann“ mit diesem Namen schreibt, „von dem die Behörden glauben, er habe auf Dutzende von Leuten geschossen, wobei 13 umgekommen seien“. Am Freitag hieß es noch „angeblich“. Korrekter geht es nicht.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“ und lehrt bis Jahresende an der Stanford University. Fragen: mal.

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