Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Krieg in Umgangssprache führen und den Iran hofieren

Schwarzer Freitag für die Bundeswehr in Kundus. Ist sie mit ihrer Aufgabe überfordert?



Ja. Sie wurde als Entwicklungshelfer mit Helm entsandt – und ist nun im Krieg. Dazu fehlen aber Mandat und Mittel. Wer sich nur verteidigen, aber nicht angreifen darf, ist bereits das Opfer – gemäß dem Präsentierteller-Prinzip. Für den Kampf fehlt die Ausrüstung auf dem Stand der Technik. Mit leichten Waffen allein geht’s nicht. Es beginnt schon bei den A’s: Artillerie, Aufklärung, Agilität, also der Fähigkeit auf größere Distanz das Feld zu dominieren, um sich so selber zu schützen. Also: Ohne Initiative keine Defensive. Und: Ohne Erfahrung kein Erfolg; die Soldaten werden zu schnell rotiert (Frischlinge fallen im Krieg immer zuerst). Insgesamt handelt die Politik unverantwortlich, wenn sie so tut, als sei dort kein Krieg.

Anschläge in Moskau: Würde eine andere russische Politik im Kaukasus den Terror beenden?

Gegen Bomben auf zwei Beinen ist vorweg jede Politik hilflos: Wie jemanden abschrecken, der seinen eigenen Tod sucht? Allgemeiner: Der Terror will einen politischen Deal nicht verwirklichen, sondern verhindern – nach dem Prinzip: Je schlimmer, desto besser für uns. Das heißt: Konzessionen provozieren in der fürchterlichen Logik des Terror noch grausamere Attacken, weil der Ausgleich ihm den Boden entziehen würde. Trotzdem ist die Moskauer Antwort – „Krieg bis zum letzten“ – falsch. Terrorbekämpfung erfordert geduldige Polizei- und Aufklärungsarbeit – mit sehr langem Atem und bedachtem Vorgehen.

Sanktionen gegen den Iran: Hat Barack Obama die Chinesen nun auf seiner Seite?

Nein. Die chinesische Politik konterkariert seit Jahr und Tag jeden Wunsch Washingtons, die Sanktionen zu verschärfen. Die iranische Bombe ist kein dringliches Problem für Peking; sie ist zu weit weg. Viel näher liegen den Chinesen iranische Energie- und Exportmärkte. Außerdem passt das Bedienen strategischer US-Interessen nicht in das chinesische Großmachtprogramm. Dieses gebietet die Rivalität mit dem Platzhalter, ohne ihn zu provozieren. Deshalb bleibt es bei vagen Bekundungen der Bereitschaft, der keine Taten folgen.

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik ...

Guttenberg hat der Ehrlichkeit schon mal einen halben Dienst erwiesen: „Auch wenn es nicht jedem gefällt“, könne man, wiewohl nur „umgangssprachlich“, tatsächlich „in Afghanistan von Krieg reden“. Wie nennt man es denn, wenn 100 000 Soldaten gegen die Taliban kämpfen? Verschleiernde Begriffe nähren die falsche Politik, die deutsche Soldaten der höchsten Gefahr aussetzt: durch falsche Ausrüstung und falschen Auftrag. Wer im Krieg laviert, verliert. Das ist die traurige Realität.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“.

Fragen: fal

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!