Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Dem Euro Tempo machen und nicht mehr wissen, wie die Außenminister heißen

Heute Griechenland, morgen Portugal, irgendwann Spanien: Wie dramatisch ist die Lage?

Nicht so schlimm, wie die „Rettet die Griechen um jeden Preis“-Brigade glauben machen will. Die Märkte sehen das anders. Eine Kreditausfallversicherung für Hellas-Anleihen (fünf Jahre) kostet mehr als doppelt so viel wie für portugiesische, viermal mehr als für spanische und achtmal mehr als für ItaloBonds. Außerdem liegt die Staatsverschuldung der Spanier mit 55 Prozent und der Portos mit 75 Prozent der Wirtschaftsleistung weit unter dem Griechen-Wert von 110. Absolut gerechnet ist die P-Verschuldung nicht mal halb so groß wie die griechische. Eine Staatspleite Athens könnte die anderen zum Insichgehen ermuntern. Also zur Arbeits- und Finanzmarktreform wie im Immobilien-Pleiteland Spanien – und etwas kleiner: in Portugal.

Währungsunion ohne politische Union: Haben die Kritiker des Euro doch recht?

In diesem Punkt natürlich, obwohl die meisten den Euro aus Prinzip nicht wollten. WmdW hat 1997 mit seinem Essay im „New York Review of Books“ beschrieben, was heute passiert (eines der wenigen Male, wo seine Voraussagen stimmten). Der Euro ist wie ein Zug von aneinandergekoppelten Triebwagen, wo jede Lokomotive (Staat) das gleiche Tempo (Haushalts- und Wachstumspolitik) einhalten muss. Sonst entgleist er. Bloß werden Staaten, solange es sie gibt, ihre eigene Politik machen, weshalb sie nicht die Wirtschaftsregierung akzeptieren werden, welche die Franzosen puschen. Vergessen wir nicht, wie unverschämt Paris und Berlin 2003 die Defizit-Limits ignorierten.

Hat sich Angela Merkel als europäische Staatsfrau profiliert?

Das hat niemand, und das ist das Besorgniserregende. Es herrscht die schlimmste Europa-Krise seit Ablehnung der Verfassung 2005, und niemand geht hin. Nicht Sarko, nicht Brown, nicht Berlu, nicht Merkel. Der Kanzlerin ist allerdings anzurechnen, dass sie das Richtige zu wollen wagen scheint. Sie will den Griechen nix schenken, zu Recht; also hat sie das Hilfepaket so lange hinausgezögert. Sie hat auch den Weltwährungsfonds herbeigeholt, der strenger mit Athen umgeht, als Brüssel es tun würde. Dies ist die Stunde der Rating-Agenturen, nicht der Führungsmächte.

Ein Wort zum deutschen Außennminister ...

Wieder einmal zeigt sich, dass die Krise der Exekutive gehört, also den Kanzlern und Präsidenten. Wissen Sie, wie die Außenminister von England, Frankreich und Russland heißen? Clinton wird Ihnen noch geläufig sein, aber auch in den USA macht der Präsident die große Politik. Zu Bismarcks Zeiten machten noch die Botschafter (wie er selber für Preußen) Politik in St. Petersburg.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“.

Fragen: fal

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!