Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Irans Bombe fürchten, Geert Wilders verstehen, Angela Merkel loben

Ist die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika mehr als nur ein Spiel?

Ja, genauso wie die Olympischen Spiele – Sommer und Winter. Da sind erstens harte wirtschaftliche Interessen: Es fließt viel Geld in die Länder und Städte (so bekam München Olympiastadion und U-Bahn 1972). Noch wichtiger: Es fließt Aufmerksamkeit, das wichtigste Gut im Medienzeitalter. Davon kann der etwas vergessene Kontinent viel gebrauchen. Aber Sport und Spektakel lösen keine hausgemachten Probleme. Zum Beispiel: 16 Jahre nach Ende der Apartheid gibt es noch immer die Sowetos in Südafrika sowie doppelstellige Arbeitslosigkeit unter den Schwarzen.

Der UN-Sicherheitsrat verhängt die vierte Sanktionsrunde gegen den Iran. Wird sie die Bombe verhindern?

Nein. Das Lieferverbot für schwere Waffen ändert nichts am Status quo; schon zuvor hat Moskau das hoch begehrte S-300 Flugabwehrsystem verweigert, das die Atomanlagen schützen soll. Die richtig harten Sanktionen wurden nicht verhängt, weder eine Beschneidung der Benzinimporte (wo Iran höchst verwundbar ist) noch ein Transaktionsverbot gegenüber der Zentralbank (das die Geschäftsfähigkeit des Regimes empfindlich treffen würde). Diesmal liegt Ahmadinedschad ziemlich richtig: „Diese Sanktionen sind wie benutzte Papiertücher, die in den Abfall gehören.“

Die Partei von Geert Wilders legt in den Niederlanden zu. Ist der Spitzenkandidat a) fremdenfeindlich und b) ein Populist?

„Populisten“ sind alle, links oder rechts, die früher nicht da waren und plötzlich Furore machen wie Wilders. „Fremdenfeindlich“ ist kein empirischer, sondern ein Kampfbegriff – wie „Faschist“, „Chaot“ oder früher „Kommunist“. Sagen wir’s so: Wer einen Einwanderungsstopp für Muslime und die Kürzung von Sozialhilfe für Neuankömmling proklamiert, trägt nicht zum inneren Frieden bei. Andererseits: Das radikale multikulturelle Experiment – Einwanderung ohne Eingliederung – ist in Holland (wie auch in England) auf dem Prüfstand. Damit muss auch die besonnene Mehrheit der Niederländer fertig werden.

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik ...

Irgendwie scheint unsere im Ausland viel gescholtene Merkel mit ihrem Zögern und mit den harten Auflage für die Rettung der Südländer nicht ganz falschzuliegen. Die Griechen haben inzwischen die Ziellinie beim Defizit: minus 40 Prozent im Vergleich zu Jan.-Feb. 2010. Staatseinkommen: plus acht, Ausgaben: minus zehn Prozent. Wenn sie es schaffen, das Defizit wie versprochen von 13,6 auf 8,1 Prozent bis Jahresende zu senken, ist das Schlimmste erst einmal gebannt. Nicht immer ist die offene Hand die beste Politik.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mal

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