Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Von Schröder siegen lernen und die Macht ohne Blutvergießen abgeben

Russland bekommt die Brände nicht in den Griff. Ist das Putins „Katrina“?

Ganz im Gegenteil. Putin agiert nach der alten Sowjetdevise „Von Schröder lernen, heißt siegen lernen“. Dieser hatte im Oderbruch die Chancen erkannt, die die Naturkatastrophe im Wahlkampf gegen Stoiber bot und die Gummistiefel angezogen. Putin hat sich ins Feuer begeben, um den Retter der Rodina, des „Mutterlandes“, zu geben. Ein Schuft, wer dabei an Berechnung denkt. Dennoch: Wer im Feuer leuchtet, leuchtet auch im kommenden Präsidentenwahlkampf, zumal die Russen den starken Mann schätzen. „WmdW“ wettet, dass der nächste Präsident Putin heißen wird.

Immer mehr Länder erschweren die Blackberry-Nutzung. Ein Kampf gegen Windmühlen?

Erst einmal nicht. Die Golf-Staaten schalten den „Blackberry Messenger“ ab, jenen Teil dieser Zwei-Daumen-Schreibmaschine, der mit anderen BBs verschlüsselt Daten austauscht und nicht wie E-Mail und Telefon von den Sicherheitsdiensten überwacht werden kann. (Das wissen auch die Kids, die ein neues Verb erfunden haben: „to BBM“.) Die Erfahrung lehrt dreierlei. Einmal, dass Staaten, zumal autoritäre, seit Geburt des Briefes immer versuchen, Kontrolle über die Kommunikation zu gewinnen. Zum Zweiten, dass sie nie endgültig den Sieg davontragen. Drittens: Wer die Information abwürgt, schädigt sich selber.

Am Obersten Gericht der USA ist zum ersten Mal kein WASP (weißer angelsächsischer Protestant) vertreten. Wer hat jetzt die Macht im Land?

Die WASPs müssen sie schon lange teilen – spätestens seit ein Katholik namens Kennedy 1961 Präsident wurde. Aber deshalb gebührt den WASPs ein Denkmal im Pantheon der amerikanischen Demokratie. „WmdW“ fällt kein anderes Beispiel ein, wo eine herrschende Gruppe den Nachrückern ohne Blutvergießen Platz gemacht hätte – siehe in Europa die Religionskriege und Revolutionen. „Grace under pressure“ ist zentrale Devise des WASP – etwa „unter Druck cool bleiben“. Deshalb die unglaubliche politische Stabilität Amerikas.

Ein Wort zum Außenminister …

Guido W. hält gezielte Tötungen für rechtens. „Rechtens“ im rechtsstaatlichen Sinne ist derlei nie. Aber Afghanistan und Pakistan sind keine Rechtsstaaten, wo Übeltäter per Büttel und Haftbefehl dingfest gemacht werden können. Was also tun, um jene zu stoppen, die vom sicheren Port aus Terroristen losschicken und so den Tod von Hunderten verursachen? Ist es moralischer, solche Leute gewähren zu lassen als sie auszuschalten? Wir dürfen uns freuen, dass solche Fragen im Herrschaftsgebiet des Grundgesetzes (fast) nie quälen.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mos.

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