Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Christen schützen, USA vor der Pleite retten, „hallo“ statt „nihau“ sagen

Kümmern wir uns genug um die bedrohten Christen in aller Welt, besonders im islamischen Raum?

Nein. Es muss ja nicht gleich ein Kreuzzug sein, der sich weiland zum Schutz der heiligen Stätten in Jerusalem formierte (mehrfach). Aber stellen wir uns den kollektiven Wutanfall der islamischen Welt vor, wenn hier 23 Muslime von Neo-Nazis ermordet worden wären – die Boykotte, die Todes-Fatwas, den Terror. Außerdem säßen die Glatzen alle schon im Knast. WmdW will als Mindest-Maßnahme den Boykott ägyptischer Mangos. Damit nähme er ein großes Opfer auf sich, ist doch diese Sorte die beste, die er kennt. Andererseits ist der Verzicht erträglich. Denn geerntet wird ohnehin erst wieder im Herbst.

Jetzt warnt sogar Finanzminister Geithner: Droht den USA der Staatsbankrott?

Der arme Tim, den WmdW sehr schätzt. Haben nicht seine früheren Zentralbank-Kollegen Amerika 2008 ff. mit Billionen überflutet? Legte er damals nicht zwei Konjunkturpakete im Wert von über einer Billion Dollar auf, die das Staatsdefizit auf mehr als zehn Prozent jagten? Gut, dass er jetzt zur Vernunft kommt. Aber Staatsbankrott? Die Schulden von Japan und Italien betragen 190 und 115 Prozent der Wirtschaftsleistung. Deutschland steht an 19., Amerika an 47. Stelle. Die USA haben allerdings die höchsten Auslandsschulden, die fast 100 Prozent vom BIP ausmachen. Aber wir wagen es nicht einmal, das winzige Griechenland in die Pleite zu treiben. Den Knall eines US-Default würde man noch in der nächsten Galaxie hören.

China kauft sich in Europa ein. Zahlen wir hier bald mit Yuan?

Werfen wir einen erhellenden Blick nach Amerika, weil es der weltgrößte Empfänger ausländischer Investitionen ist (zur Zeit rund 2,5 Billionen Dollar wert). Noch immer wird dort aber Englisch gesprochen und mit Dollar bezahlt. Chinesische Auslandsinvestitionen sind zwar enorm gestiegen, betrugen aber 2008 nur 45 Milliarden Dollar weltweit. Bis wir „nihau“, statt „hallo“ sagen, wird also noch ein Weilchen dauern.

Ein Wort zum Außenminister...

Guido W., im Nebenberuf FDP-Chef, wankt, aber fällt nicht. Denn auch in D gilt die Regel: „You can’t beat somebody with nobody“ – einen Jemand kann man nicht mit einem Niemand stürzen. Auf dem Dreikönigstreffen haben die Jungen die Hand in der Tasche geballt, sie aber dann doch zum Klatschen hervorgeholt. In der SPD geht’s härter zu. Da fegt ein Lafontaine den Vorsitzenden Scharping nach zwei Jahren von der Bühne, gibt ein Müntefering nach einem Jahr auf, nimmt der nette Herr Platzeck nach einem Jahr seinen Hut wg. Überlastung. Guido W. wird kämpfen.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mal.

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