Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

In Davos Partys feiern – und Ägypten im Jahr 2011 mit Iran 1979 vergleichen

Davos nach der Krise: Wie geht es der Weltwirtschaft?

Vorweg: Keine Krise in Davos; davon zeugt die rekordverdächtige Zahl der Partys in diesem Jahr. Außerdem: Nüchtern betrachtet geht es der Weltwirtschaft, wenn man von der neuen Rohstoff-Spekulationsblase absieht, sehr gut. Schlüsselländer wie Amerika und Deutschland wachsen mit drei Prozent, die Schwellenländer zwischen sechs und zehn Prozent – selbst einstige Sozialfälle wie in Afrika. Der Welthandel floriert auch wieder (vier Prozent). Aber über diesem hübschen Bild schwebt das Damoklesschwert der Mega-Schulden und der Giga-Liquidität. Jene nagen an Euro und Dollar, dies war zumindest in der Vergangenheit der Vorbote der Inflation.

Auch in Ägypten und im Jemen kocht der Volkszorn. Erlebt die arabische Welt ihr 1989?

Der bessere Vergleich ist mit Ägypten 1952 und Iran 1979. In beiden Fällen führte ein Volksaufstand gegen die Monarchie (Faruk, Reza Schah) nicht in die Demokratie, sondern in die Diktatur. In Ägypten kam Nasser an die Macht (gefolgt von Sadat und Mubarak), im Iran der Klerikalstaat. Man muss es den Ägyptern wünschen, dass es diesmal besser ausgeht, aber das historische Muster zeigt, dass solche Machtproben nicht unbedingt zugunsten der Demokraten ausgehen, sondern ihrer Feinde. Das waren die Jakobiner in Frankreich, die Bolschewiken in Russland, die Chomeinisten im Iran – also die Bestorganisierten. In Ägypten ist das die Armee, und die hat sich noch nicht entschieden, ob sie sich auf die Seite des Volkes oder des Regimes schlägt.

Verteidigungsminister zu Guttenberg irritiert Freund und Feind. Wie gut ist er wirklich?

Also, die jüngste Schlacht hat er bzw. die Regierung bestanden: Das Parlament verlängert mit überwältigender Mehrheit das Afghanistan-Mandat. Aber: Je populärer ein Politiker, desto mehr überwältigt der Schein das Sein, und das ist gefährlich. Denn: Das Volk ist wankelmütig und langweilt sich bald. Auf Dauer kann man auf Glanz & Gloria nicht besser sitzen als auf Bajonetten – siehe Guttenbergs abnehmender Beliebtheitsgrad. Und die Langweiler der deutschen Politik haben die höhere Lebenserwartung. „KT“ wird zeigen müssen, dass er mehr ist als eine Projektionsfläche.

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik …

Ein eigenartiges Bild in Davos: Bill Clinton läuft übers Wasser, Cameron zeigt Witz, Sarko zelebriert seine und Frankreichs „gloire“. Die deutschen Regierungsvertreter aber fliegen kurz ein, spulen ihr Pflichtprogramm ab und verbringen den Rest der Zeit am liebsten mit anderen Deutschen. Die Frage, die WmdW noch nicht beantworten kann: Ist das die neue Deutsche Bescheidenheit oder bloß Provinzialismus?

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“.

Fragen: fal

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