Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Verschwender mitschleppen und Blut lecken

US-Drohnen nach Libyen: Können die Europäer ohne die Amerikaner keinen Krieg gewinnen?

Nicht mehr seit dem Ersten Weltkrieg, nicht einmal gegen den furchtbaren Milosevic daheim. Das hat mit der fehlenden Kriegstechnik zu tun; deshalb die Predators, die Militärisches in Tripolis punktgenau treffen können, ohne – hoffentlich – Ziviles zu vernichten. Aber die Sache geht tiefer: Nach sechzig Jahren unter dem US-Schutzschirm haben die Europäer den Krieg verlernt und verworfen; deshalb geben sie bis auf London und Paris fürs Militär nur noch ein Prozent des BIP aus (die USA vier). Wer die Mittel nicht will, sollte auch den Zweck nicht wollen. Amerika bleibt die Ordnungsmacht, und die will unter Obama nicht so richtig, wird aber schrittweise in den Krieg gezogen.

Die Wahren Finnen mögen das Euro-Rettungspaket nicht. Sind die Finnen schlauer als wir?

Sie haben aus dem falschen Grund Recht. Der falsche ist klassische Kleinstaaten-Politik: maximal von gemeinsamen Institutionen profitieren, aber minimal investieren. Recht haben sie, weil Griechenland nicht zu retten ist; die Abrechnung wird nur hinausgezögert. Es wird also die Pleite erklären müssen. Leider kann aber Athen nicht tun, was dazugehört – abwerten –, solange es im Euro bleibt. Rausschmeißen geht aber auch nicht. Also werden die Reichen die Verschwender mitschleppen – oder genauer: ihre eigenen Banken retten, indem sie die Griechen retten. Die Finnen werden einlenken.

Royal Wedding in England: Wer wäre der beste König für Deutschland?

Herzog Franz von Bayern, Nachfahr der englischen Stuarts und Urenkel des letzten Bayern-König, Ludwig III. Der politische Stammbaum ist makellos: Sein Vater wurde von der Gestapo ins KZ verschleppt. Sein Lebenslauf ist vorbildlich: Er hat etwas (halbwegs) Vernünftiges studiert, nämlich BWL, und trägt gesellschaftliche Verantwortung zuhauf: in der Alten Pinakothek, der Glyptothek, im Galerieverein München, der Uni München, im Museum of Modern Art von New York … Er scheut den Auftrieb und die bunten Blätter, was ihn von Kate, William, Fergie, Di und Margie unterscheidet. Außerdem gäbe Schloss Nymphenburg eine prächtigere Kulisse als das Bellevue ab.

Ein Wort zum Außenminister …

Seitdem er nicht mehr FDP-Chef ist, leckt die Journaille auch hier Blut. Das ist unfair. Schließlich hat Guido W., wenn auch nicht sehr elegant, die Libyen-Politik der gesamten Regierung vertreten. Bei seiner Diss. hat er nicht geschummelt; das Englische beherrschte auch Genscher nicht. Immerhin kennt ihn jetzt die ganze Welt, was sich von den EU-Kollegen nicht sagen lässt. Schließlich lässt sich „Guido“ international besser aussprechen als „Häns Dietrik“.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mos.

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