Vier Fragen an Josef Joffe Was macht : die Welt?

Kalte Falafel essen und an die Mutter der humanitären Porzellankiste denken

Präsident Obama legt seine Geburtsurkunde vor. Lässt er sich von seinen Gegnern treiben?

Ist doch hübsch, so eine Urkunde: zartgrün, mit Geburtsort Hawaii; das riecht so angenehm nach Hibiskus und Ananas. Natürlich hat er sich treiben lassen, aber die (linken) Gegner von Barry Goldwater (der 1964 gegen Johnson unterlag) haben weiland auch an dessen Herkunft herumgenörgelt, weil Arizona noch kein Bundesstaat war, als er 1909 dort geboren wurde. Überdies ist die Veröffentlichung intimer Dokumente Tradition im Weißen Haus, dessen Bewohner alljährlich ihre Steuererklärung publik machen. Sollten unsere Politiker auch tun. Nebeneinkünfte sind Nebeneinflüsse.

Die Palästinenser von Hamas und Fatah haben sich wieder einmal geeinigt. Ist das Israels Albtraum?

Sollte es nicht sein, weil solche Vereinigungen – wie einst die von Syrien und Ägypten – etwa so lange halten wie eine Falafel warm bleibt (obwohl die frittierten Kichererbsenbällchen auch kalt schmecken). Die beiden neuen Freunde wollen Wahlen in ihrem jeweiligen Beritt abhalten? Die hätte Hamas allein organisieren können, hat es aber seit dem Wahlsieg 2006 nicht getan. In der Westbank lässt Fatah auch nicht wählen, weil sie sich vor einem Sieg der Hamas oder der jungen Garde fürchtet. Der Fatah- dominierte Dachverband PLO hat die Hamas immer ausgesperrt. Aber wer weiß: Vielleicht vereinigen sich demnächst auch SPD und Linke. Oder CDU und CSU.

Die Lage ins Syrien eskaliert. Kann irgendjemand Assads Panzer stoppen?

Die US-Luftwaffe, wenn sie einen so intensiven, monatelangen Luftkrieg abzieht wie in Irak I (1990) und Irak II (2003). Am besten mit Israel, das mehr Flugzeuge hat als Deutschland oder Frankreich. Aber die USA, die schon in Libyen zögerten, werden sich hüten. Das wäre ein richtiger Krieg und nicht bloß ein bisschen wie in Libyen, und dann der vierte in Mittelost. Der Sicherheitsrat, der ihn legitimieren müsste, hat noch nicht einmal eine unverbindliche Verurteilung Syriens passieren lassen. Eigeninteresse ist die Mutter der humanitären Porzellankiste.

Ein Wort zum Außenminister …

Es gibt nur einen Weg, die FDP zu retten. Westerwelles Vorgänger im Außenamt haben immer die höchsten Popularitätsquoten eingeheimst, nur er nicht. Folglich muss die Partei eine attraktive Figur ins Amt bugsieren. Silvana Koch- Mehrin geht nicht, wg. Plagiatverdachts. „WmdW“ schlägt Katja Süding, 35, vor, die Spitzenkandidatin in Hamburg 2011. Sie ist jung und unerfahren, aber gerade das zählt heute in der deutschen Politik. Ihre Werte würden auf die FDP abstrahlen, und schon wäre die wieder bei zehn Prozent. Guido W. wird UN-Botschafter und erkämpft dort einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat. Alles wird gut.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mos.

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