Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Hartz IV für Hellas vermitteln und auf Arabien hoffen

In der Eurokrise laufen das Chaos (Griechenland) und die Alimentierunlust um die Wette. Wer gewinnt?

Wenn „WmdW“ das wüsste, wäre er ein reicher Mann. Aber er hat einen Tipp für die Großen Europas. Alimentierung kostet einen Haufen Geld, aber eine Umschuldung auch, die einen Schnitt von 50 Prozent ausmachen wird (so weit haben die Märkte die Griechenbonds runtergeschrieben). Denn dann muss viel Geld in die europäischen und griechischen Banken gepumpt werden, damit die Kapitalseite wieder stimmt. Der Vorteil gegenüber Hartz IV für Hellas ist, dass dann Athen nur die Hälfte der Schulden bedienen muss, was den Blutfluss halbiert. Ergo empfiehlt „WmdW“ den „Haarschnitt“. Der schenkt den Griechen wenigstens Zeit – wiewohl er auch den Reformdruck halbiert.

Barack Obama schwächelt. Welcher Republikaner/in kann ihm bei der nächsten Wahl gefährlich werden?

Obama schwächelt nicht; Zustimmung und Ablehnung halten sich seit 18 Monaten etwa die Waage. Dito bei Republikanern und Demokraten in der „Dienstagsfrage“ (in den USA wird dienstags gewählt). Das Problem der Rivalen? In Umfragen, in denen jeder gegen Obama antritt, liegt der zweistellig vorn gegen Palin, McCain, Pawlenty, Bachman, Huntsman und Paul. Gefährlich erscheint derzeit nur Mitt Romney; da schmilzt der Vorsprung auf zwei Punkte. Nur ist Mitt irgendwie Merkel-mäßig: zu weit links für die Getreuen. Doch die haben in den Vorwahlen immer den Vorteil, weil sie höher motiviert und mobilisiert sind.

Vor einem halben Jahr begann der Arabische Frühling. Wie viel Mut macht die Zwischenbilanz?

Nicht so viel, weil hinter dem Frühling der Bürgerkrieg lauert (Syrien, Jordanien, Bahrain) oder schon tobt (Libyen). Im Bürgerkrieg geht es nicht um Demokratie, sondern um Macht; wer ihn gewinnt, will herrschen, nicht teilen – und Rache nehmen. „WmdW“ gibt Ägypten und Tunesien nach wie vor die besten Chancen, weil der Umsturz dort friedlich verlaufen ist und die Länder recht homogen sind, also nicht vom Konflikt der Stämme zerrissen werden. In Ägypten schält sich ein Machtkartell zwischen Armee und Islamisten heraus, aber ein gemäßigtes, was besser ist als Bürgerkrieg.

Ein Wort zur Außenpolitik...

Außenpolitik ist derzeit Währungs- und Schuldenpolitik. Der Deal zwischen den Schwergewichten D und F liegt eigentlich auf der Hand. Sarko akzeptiert, dass auch die EU-Banken, vorweg die französischen bei der Umschuldung (die kommt) bluten müssen; Merkel verspricht ihm Geldspritzen für ebendiese Banken, damit die Kapitalseite ihrer Bilanzen nicht ins Trudeln gerät. Zahlen muss Europa so oder so. Und die Reichsten am meisten, die Deutschen. Aber die profitieren auch am meisten von Europa.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: as

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