Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

„Muttis“ pädagogischen Eros bewundern und Davos in die Ägäis versetzen.

Deutschland steht bei der Euro-Rettung unter Druck, ist Merkel zu knauserig?

Auf dem Grat und im dichten Nebel ist „Mutti“ besser als „Basta“. Schröder wurde berühmt mit dem deutschen Geld, das von Brüssel „verbraten“ werde. Merkel ist eben wie „Mutti“, die die Kinder ernährt, ihnen aber auch Disziplin und Vernunft für den weiteren Lebensweg vermitteln muss. Und wer genau hinguckt, sieht, wie Mutti die Kinder nicht verkommen lässt. Da gibt’s jetzt den Rettungsfonds EFSF, der für knapp 800 Milliarden Euro gut ist. Merkel hat auch nicht geschimpft, als die EZB erst die Schulden maroder Problemländer aufkaufte, dann den EU-Banken 500 Milliarden zur Verfügung stellte. Wenn sie dabei „knauserig“ erscheint, ist das kein Zeichen von Hartherzigkeit, sondern von pädagogischem Eros, der für Tugend und Weisheit sorgt.

Europa will dem Iran kein Öl mehr abkaufen, der Iran will keines mehr verkaufen. Sind nun alle zufrieden?

Vorweg ist das eine Charade. Die Europäer fahren schon seit langem ihre Ölimporte aus dem Iran herunter, und die Iraner haben sich andere Märkte gesucht. Außerdem ist Öl eine gesichtslose Ressource. Was die Europäer nicht kaufen, landet auf dem großen, großen Weltmarkt und setzt anderes Öl zum Verkauf frei. Mithin bleibt das globale Angebot gleich, und die Preise werden nicht langfristig steigen. Dennoch: Betrachtet man die gesamte Palette der Sanktionen, wird es bitterer für Ahmadinedschad. Auf dem Schwarzmarkt ist der Rial gegen den Dollar allein im letzten Monat um fast 50 Prozent gefallen, derweil die Preise für Nahrungsmittel hochschnellen. Richtig schmerzhaft für den Rest der Welt würde es erst, wenn Teheran den Golf blockiert. Aber dann gibt es Krieg, und Ahmadinedschad weiß das.

Newt Gingrich hat viele Exfrauen, Mitt Romney hat viel Geld. Womit wird man eher Präsident?

Mit vielen Frauen nur in Arabien. Mit viel Geld kann man im Fernsehzeitalter manchmal Vorwahlen gewinnen. Das Problem aber ist ein anderes. Zurzeit liegt Gingrich bei den Republikanern vor Romney (37 zu 28 Prozent), hinkt aber mit 18 Punkten hinter Obama her. Romney hat dagegen eine echte Chance gegen den amtierenden Präsidenten. Die Hauptfrage ist also, wie groß der Todeswunsch der Republikaner ist.

Ein Wort zu Davos …

Diesmal labten sich 2600 Teilnehmer an den Buffets – mal mit Käse-Canapés, mal mit Champagner. Eine griechische Witzboldin schlägt einen Ortswechsel vor: auf die Insel Patmos. Da sind die Hotelzimmer schon mal billiger, der Retsina ist es auch. Die etwas schwierigere Logistik würde für mehr Intimität sorgen. Und die griechische Wirtschaft wäre gerettet. Davos-in-der-Ägäis würde mehr Geld ins Land spülen als jedes Rettungsdarlehen der EU.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mal.

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