Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Sabotieren, Bonbons lutschen, Haare blondieren.

In welcher Rolle war Angela Merkel in China, als Bittstellerin oder als Chefin Europas?

Merkel ist als Quasi-Chefin gereist, um auszuloten, was Peking für die Weltwirtschaft tun könne. Die Antwort: „nichts“. China ist noch lange nicht so weit, Verantwortung für das Ganze zu übernehmen; allerdings sorgt das aufsteigende Ostasien für Wachstum im Welthandel, und das hilft auch dem Westen. Einen Bonbon bringt Angela Merkel indes mit. Auch der chinesische Staats- und Parteichef Hu Jintao glaubt, dass „jedes Land in Europa seine Aufgaben erfüllen und seinen Beitrag leisten muss“. Just das, was Merkel will: Die Problemländer müssen an sich arbeiten, damit sie wieder wachsen können.

Nicolas Sarkozy macht auf Gerhard Schröder. Kann ihn das retten?

„WmdW“ möchte wieder einmal eines der eisernen Gesetze der Politik anbieten. Es lautet: „In der Krise fliegen die Regierenden immer raus“, siehe Griechenland, Italien, Spanien … Demzufolge müsste Nicolas Sarkozy die Präsidentschaftswahlen im Frühjahr verlieren. Das Gesetz griff auch bei Schröder. Der hat inmitten hoher Arbeitslosigkeit die Sozialreformen angepackt, die Merkel heute ihren Boom verschaffen, aber Schröder 2005 das Amt gekostet haben. Sarkozy kündigt zu wenig zu spät an. Allerdings war er immer für Überraschungen gut, weshalb man den Umfragevorteil seines Rivalen Hollande nicht für bare Stimmen nehmen möge.

Die „Washington Post“ meldet, dass ein israelischer Militärschlag gegen den Iran kurz bevorsteht. Wie gefährlich wäre das für den Westen?

Es ist im Interesse Israels und der USA, die Psychokriegsführung zu eskalieren, um den Druck und die Sanktionen zu verschärfen. Das läuft nicht schlecht, siehe die wirtschaftliche Schieflage des Iran. Gerade ist „WmdW“ nach Gesprächen in Israel mit dem Eindruck zurückgekehrt, dass der „Krieg“ längst läuft. Nicht mit Bomben und Raketen, sondern mit Sabotage, Cyberattacken und Anschlägen auf Atomtechniker. Je mehr derlei das Waffenprogramm zurückwirft, desto unnötiger ein Krieg. Teheran signalisiert Gesprächsbereitschaft.

Ein Wort zur Münchner Sicherheitskonferenz …

Friedensfreunde nennen sie die „Kriegskonferenz“ – als würden da lauter Nato-Verschwörer einen imperialistischen Krieg anzetteln. Zwar ist das Brimborium groß, aber was im Bayerischen Hof abläuft, könnte transparenter nicht sein. Jedes Wort lässt sich auf dem Schirm verfolgen, und Mrs. Clintons Haare sind wieder etwas blonder. Abermals sind Russen und Chinesen dabei, und diese anti-imperialistischen Mächte sind bekanntlich Bollwerke des Friedens. Atomrüstung und Gewalt laufen heute in Mittelost, Afrika und Ostasien ab. Amerika beendet seine Kriege, Europa ist sowieso kriegsmüde. Im Ballsaal wird nicht einmal gestritten.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: as

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