Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Auf Mitt Romney tippen, im Iran ein Drama sehen, aber kein Ende Putins.

Atomverzicht gegen Lebensmittel: Schert Nordkorea aus der Achse des Bösen aus?

Unter diesem Rubrum läuft Nordkorea schon lange nicht mehr. Aber vergessen wir nicht, dass der Deal schon einmal geprobt worden ist – in den Neunzigern unter Bill Clinton. Vor drei Jahren sandte der damalige US-Verteidigungsminister Gates eine Warnung an Pjöngjang, dass er „keine Lust mehr“ hätte, „für dasselbe Pferd zweimal zu bezahlen“. Nordkorea nahm, aber gab nicht, stattdessen provozierte es seine Nachbarn mit Raketengerassel und ließ eine Art Atombombe hochgehen. Aber man kann ja das Pferd noch einmal begutachten. Vielleicht hält das Moratorium (kein Verzicht!). „WmdW“ bleibt skeptisch: Erpresser kassieren Lösegeld, um dann mehr und mehr zu verlangen.

Dienstag ist „Super Tuesday“. Wird Mitt Romney nun endlich Präsidentschaftskandidat der Republikaner?

Romney hat die besten Chancen gegen Obama, aber die Partei mag ihn nicht. Andererseits haben es vier andere versucht und sind verglüht; übrig geblieben ist Rick Santorum, der in einem der Schlüsselstaaten, Michigan, nur knapp verloren hat. Also gilt noch immer die alte amerikanische Polit-Weisheit: „It ain’t over, ’till it’s over“ – vorbei isses erst, wenn’s vorbei ist. Am Dienstag wird in zehn Staaten abgestimmt, in der nächsten Woche in vier. Dann werden wir’s wissen. „WmdW“ tippt auf Romney, aber verhalten.

Bibi bei Barack: Wird gegen den Iran wieder nur mit dem Säbel gerasselt?

„WmdW“ glaubt nicht, dass der eine B. den anderen zum Angriff animieren will. Netanjahu kennt Amerika besser als jeder andere Regierungschef und weiß, dass Obama in einem Wahljahr nicht zum „Kriegspräsidenten“ werden will, zumal beide die Risiken gleich gut einschätzen können. Aber Israel ist hundertmal mehr gefährdet als das ferne Amerika. Also wird Netanjahu zweierlei fordern: noch mehr Druck auf den Iran, dann ein „gelbes Licht“ für einen israelischen Angriff. Genauer: Er wird die USA nicht um Erlaubnis bitten. Das eigentliche Drama aber läuft in Teheran ab, wo Ahmadinedschad und der „Religionsführer“ Chamenei einen Machtkampf auf Leben und Tod ausfechten. Wobei Ahmadinedschad etwas flexibler in der Atomfrage ist als Chamenei.

Ein Wort zu Putin …

Der ist seit gestern wieder Präsident. „WmdW“ teilt nicht den westlichen Medienkonsens, dass diese Wahl „Der Anfang vom Ende Putins“ (so der „Economist“) sei. Putin herrscht über einen „Petro-Staat“, der mit dem Füllhorn seines Öl- und Gasreichtums viel Ruhe im Land erkaufen kann. Putin wird von seiner Macht nur so viel abgeben, wie es der Machterhalt verträgt. Eine demokratiefordernde Mittelschicht entsteht nicht dort, wo der Staat die Produktionsmittel in der Hand behält.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mal.

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