Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Dilettantisch stürmen, mehr Markt zulassen und Bonbons an alle verteilen.

Terror in Toulouse: Wie schützen wir uns vor radikalisierten Einzeltätern?

Dass „einsame Wölfe“ nicht erwischt werden können, ist gerade im Falle Mohamed Mehra falsch. Auch echte Wölfe hinterlassen Spuren (Knochen, Kot), und Mehras konnten auffälliger nicht sein. Er hat Dschihad-Propaganda verteilt, ist angezeigt worden, landete im Knast. Die Armee hat ihn deshalb abgelehnt. Der Inlandsgeheimdienst wusste, dass er zweimal zur Terrorausbildung nach Pakistan gereist war. Ein kleines Kriegswaffenarsenal hatte er sich zugelegt. Ein solches besorgt man sich nicht im nächsten Carrefour, und wer es auf dem Schwarzen Markt tut, legt viele Fährten. Dies ist ein klassischer Fall von Staatsversagen, der verschärft wird durch den dilettantischen Aufmarsch der Elite-Truppe „Raid“. Hundert gegen einen, der seit zwei Tagen nicht zum Schlafen gekommen war? Die Jungs sichern die ganze Wohnung und sind voll überrascht, dass Mehra plötzlich aus dem Bad tobt? Mon dieu!

Papst Benedikt XVI. in Kuba: Stürzt wieder ein Papst den Kommunismus?

Johannes Paul II. war weiland nicht allein. Mitgeholfen haben ein gewisser Ronald Reagan sowie der oberste Russe, Michail Gorbatschow. Dazu der Zusammenbruch der Ostblock-Wirtschaft in den 80ern. Fidels Bruder Raul, der die Geschäfte führt, lässt nun immer mehr Marktwirtschaft zu, die das System stabilisiert. Exilkubaner in Florida schießen regelmäßig Stütze zu. Nur einer kann den Karibik-Kommunismus stürzen: Obama. Wenn der sämtliche Sanktionen aufhebt, ertrinkt der KK im Dollarstrom, der Investitionen und Konsum antreibt. „Yanqui si!“ bedeutet „socialismo no!“

Gaucks erste Rede als Bundespräsident: Hat sie inspiriert?

Er hat die konsensfähige ideologische Front abgeschritten und überall freundlich salutiert. Er versteht die deutschen „Ängste“, will aber auch „Mut“. Er ist gegen Rechts und für Europa, für Integration und gegen Ausgrenzung. „Soziale Gerechtigkeit“ muss sein, aber ihre „notwendige Bedingung“ ist die „Freiheit“. „Chancengleichheit“, aber kein „paternalistischer Fürsorgestaat“. Also einer für alle, wie es sich gehört. Dieser Rundum-Gruß reduziert die messianischen Erwartungen, die Gauck zu überwältigen drohten.

Ein Wort zur Außenpolitik …

Eine Erwartung aber hat WmdW doch. Er nimmt den Wunsch seines „SZ“-Kollegen Stefan Kornelius auf, der Gauck rät, etwas für die „Sensibilisierung der Öffentlichkeit“ in Sachen Außenpolitik zu tun. Denn es sei „befremdlich, dass die Führungsriege der Nation so wenig Leidenschaft für den Rest der Welt entfaltet“. Es knirscht im Kopf, wenn so viel von jenseits der Grenzen auf so viel Provinzialität im eigenen Land trifft. Der Buprä als außenpolitischer Thinktank – das hat was.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mos.

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