Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Israel bei der Abschreckung helfen und Osterhasen umschmelzen.

Grass und sein Gedicht: Ist Israelkritik in Deutschland wirklich tabu?

So tabu wie die überwiegend kritische Israel-Berichterstattung der Medien, also gar nicht. Tabu ist nur der klassische Antisemitismus. Lange vor den Nazis war der A. voll salonfähig. Heute ist der A. aus bekannten Gründen pfui, aber nicht weg (15–20 Prozent der Deutschen sind „latent“ antisemitisch). Der A. musste sich aber ein neues Feindbild malen. Nicht der Jude, sondern „Israel ist unser Unglück“, lautet die renovierte Devise, und zwar bei Grass im Globalmaßstab. Israel wolle das „iranische Volk auslöschen“ und dabei einen Weltenbrand entfachen, an dessen „Ende als Überlebende wir allenfalls Fußnoten sind“. WmdW wünscht sich den A. aus dem Kaiserreich zurück. Damals waren die Juden nicht Weltenmörder, sondern nur Wucherer, wahlweise Kapitalisten/Kommunisten und Schänder blonder deutscher Mädels.

Mitt Romney wird US-Präsidentschaftskandidat. Kann er die Republikaner einen?

WmdW kann sich an keine Wahl erinnern, wo sich die Partei nicht um ihren Kandidaten geschart hätte. 2012 kommt hinzu, dass die Republikaner sich genauso vor Obama graulen wie die Demokraten 2004 vor Bush. Überdies wird sich Romney einen Vize aus dem konservativen Flügel holen, um die Reihen zu schließen. Schließlich wirkt der knappe Abstand – derzeit drei Prozent – zu Obama hoch motivierend; „das können wir schaffen“. Es gewinnt, wer seine Gefolgschaft am Wahltag besser mobilisieren kann.

Wie würde Ägypten unter Chairat al Schater aussehen, falls er die Präsidentschaftswahl im Mai gewinnt?

WmdW findet einen Moslembruder, der für Privatisierung und Marktwirtschaft eintritt, schon mal nicht schlecht für eine Staats- und Vetternwirtschaft mit hoher Jugendarbeitslosigkeit. Nicht so berauschend ist die erste Trickserei: Der Mann tritt aus der Bruderschaft aus, um so deren Versprechen zu halten, keinen eigenen Kandidaten zu präsentieren. Der Rest ist „Inschallah“; das letzte Wort im Staate hat das Militär.

Ein Wort zum Außenminister …

Guido W. hat sich als erstes Regierungsmitglied Grass gegriffen und die moralische Gleichsetzung Israel–Iran als „absurd“ gegeißelt. Dabei hat Grass auch die Regierung denunziert, was die noch nicht gemerkt hat. Demnach mache sich Berlin „mitschuldig“, weil es Jerusalem mit U-Booten beliefere. Ab heute werden die Osterhasen umgeschmolzen, Zeit für ein Statement, das den Großpolitiker korrigiert: Gerade weil wir den Weltenbrand made in Iran verhindern wollen, helfen wir Israel beim Aufbau einer unverwundbaren Abschreckung, um die Frömmler von Teheran zu ernüchtern. Und: Je sicherer Israel sich fühlt, desto kleiner der Anreiz zum Präventivschlag.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“.

Fragen: fal

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