Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Französisch pauken, ins Nimmerland reisen und Entfernungsmesser kaufen.

Indien testet eine Langstreckenrakete. Zielt sie auf China oder Pakistan?

Auf alle, die im Radius liegen: China und Japan im Osten, Russland im Norden, Iran und Israel im Westen; man kann ja nie wissen. Ein „stolzer Moment“, verkündet der Verteidigungsminister. So ein sanftes Land und so ein langer Arm. Womöglich fühlt sich Peking wegen der legendären Friedfertigkeit des Nachbarn nicht bedroht, wie das Außenministerium bekundete. Andererseits ist diese Gelassenheit hochrealistisch: China ist in der Raketentechnik um die zehn Jahre voraus, mit Geschossen, die doppelt so weit fliegen können wie die Agni-V.

Neue Diskussion über Schengen:

Droht Europa eine Flüchtlingswelle?

WmdW beugt sich über den Atlas (den analogen, nicht Google Maps), um herauszufinden, wo die herkommen soll. Den reichen Deutschen drohen vor allem die Massen aus den Pleiteländern Griechenland, Italien und Spanien, aber: Die haben uns schon vor einem halben Jahrhundert („Gastarbeiter“) heimgesucht, und das schlimmste Mitbringsel war die ungenießbare griechische Küche. Die nächste Welle kommt aus Frankreich, wenn der neue Präsident Hollande sein Land mit noch mehr Schulden in den Ruin treibt. Doch der Flüchtlingsstrom aus Frankreich ist auch okay, denn so lernen wir unsere Nachbarn besser kennen, die wir nur vage (frz.) auf dem Schirm haben. Und wir pauken wieder Französisch wie zu Napoleons Zeiten.

Höhenflug der Piraten. Was lehrt uns das über Deutschland?

Dass sich dieses glückliche Land langweilt und deshalb nicht so genau hinguckt, wenn es die Piraten als drittstärkste Kraft, noch vor den Grünen, adelt. Was im Parteiprogramm von links bis rechts schillert, geht auf keine Kuhhaut, es sei denn auf eine digitale, die keine Grenzen kennt. Okay, das schwarz-rot-grüne Oligopol hat’s verbaselt und den Piraten-Start-up geradezu in den Markt gesogen. Aber bei den Langweilern weiß man wenigstens, was man wählt. Mit den Piraten geht’s ab mit der „Black Pearl“ in die Karibik oder mit Captain Hook in Peter Pans „Nimmerland“, wo man nur an etwas glauben muss, damit es passiert.

Ein Wort zur Verteidigungspolitik …

WmdW begrüßt die Entscheidung des Bundestags, der Bundeswehr mehr Leine bei der Piratenjagd in Somalia zu geben. Ab 2013 dürfen unsere Jungs auf dem Luftweg 2000 Meter weit ins Land vorstoßen (nicht zu Fuß, das wäre ein „Bodenkrieg“!): der Traum eines jeden kriegslüsternen Kommandeurs, der heute am Strand abdrehen muss. Nur: Die Piraten werden jetzt im Baumarkt die Laser-Entfernungsmesser abräumen, um sich bei Meter 2001 zu verschanzen und von dort aus den Helis fröhlich zuzuwinken. Schlägt eine Rakete dahinter ein, werden sie das Verfassungsgericht in Karlsruhe anrufen.

– Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mos.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!