Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Das syrische Regime aushungern – und nur noch Spinat essen.

Verwirrung um einen Begriff: Gehört nun Israels Sicherheit zu Deutschlands Staatsräson oder nicht?

Wenn das unser Präsident nicht so richtig weiß, woher soll das WmdW wissen, obwohl er als Journalist grundsätzlich zum Stamm der Besserwisser gehört. Hätte Gauck ihn konsultiert, hätte WmdW wie folgt doziert: Als Präsident möge man beim Sonoren und Althergebrachten bleiben, statt der Kanzlerin Ejzes (das ist hebr./jidd. für „Ratschläge“) in der Tagespolitik zu geben. „Staatsräson“ ist so ein schönes, sonores Wort. Es legt ein Prinzip und keine Praxis fest. Wie es ausgekleidet wird, bestimmt die Regierung, nicht das Staatsoberhaupt. Das mit den „Schwierigkeiten“, in die Merkel geraten könnte, hätte Gauck sich sparen können. Alle Außenpolitik ist schwierig, weil sie immer im Widerstreit zwischen Zielen und Mitteln formuliert wird.

In Syrien tobt ein Bürgerkrieg, Barack Obama schweigt. Warum?

Er schweigt nicht, dito Europa. Der Mund ist dem Westen so voll, weil seine Hände so leer sind. Niemand will in Syrien intervenieren – und zwar aus hundert guten Gründen. Um Assad zu stürzen, reicht kein Bombardement vom sicheren Port aus. Der Bürgerkrieg findet in den Städten statt, mitten unter Zivilisten. Ein Städtekrieg aber erfordert Bodentruppen, viele und hochtrainierte. Und einen langen Atem, den der Westen nicht hat. Besser wäre es, das Regime auszuhungern – mit Sanktionen, die ebenfalls einen langen Atem erfordern, aber realistischer sind als Krieg nach Afghanistan, Irak und Libyen.

Berlusconi weg, Guttenberg weg, Ackermann weg. Gehen uns jetzt auch noch die Buhmänner aus?

Keine Sorge. Die finden sich immer in einer westlichen Welt, die lieber moralisiert und personifiziert, als über die tieferen Ursachen nachzudenken, z. B., warum Italien so unreformierbar ist, oder warum die hiesigen Medien einen KT erst hochjubeln und dann zerreißen. Die Buhmänner werden allerdings kleiner sein. Denn: Wer nicht auffällt, gibt keine gute Zielscheibe her.

Ein Wort zum Außenminister…

Heute, weil WmdW Ferien in den USA macht, wo über Guido W. nicht so viel berichtet wird, lieber zu Mike Bloomberg, dem Bürgermeister von New York. Der will das Ausschenken von Zuckergetränken verbieten, die mehr als einen halben Liter ausmachen – wg. Fettleibigkeit. Eine gute Idee, die aber nicht weit genug geht. Der Staat muss grundsätzlich für Ernährungszucht sorgen. Kein Fett, kein Zucker, kein Schnaps – nur noch Spinat und Salat. Und jeden Morgen raus auf die Straße zum Frühsport – wie in Maos China. So macht uns der Staat zum besseren Menschen. Sozusagen: Kraft durch Freude, denn nichts hebt das Selbstwertgefühl mehr als ein flacher Bauch und ein gestählter Körper.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: as

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