Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Plan B für Syrien basteln, Leopard-Panzer verkaufen, Beachvolleyball schauen.

UN-Vermittler Kofi Annan gibt auf. Wie geht’s weiter in Syrien?

Kofi Annan, ein bewundernswerter Mensch, ist leider nicht geschaffen für eine Welt, in der „mein Überleben gegen deinen Tod“ steht. Schon als UN-Generalsekretär hatte er in den Balkankriegen versagt, die erst (nach Jahren des Zögerns) von den Nato-Luftwaffen entschieden wurden. Die werden in Syrien nicht eingreifen. Es geht weiter wie bisher. Alle äußeren Kriegsparteien werden unter der Hand Waffen, Geld und Ausbilder schicken, die Einsätze stetig erhöhen, ohne einander direkt zu konfrontieren. Inzwischen basteln Assad und Gefolgschaft (Alawiten, Christen, Chaldäer, Aramäer…) an Plan B: einen alawitischen Küstenstaat, der sich auf die Hafenstadt Latakia stützt.

Deutsche Leopard-II-Panzer nach Qatar. Ist das eine gute Idee?

Für Pazifisten nicht. Für die deutsche Panzerindustrie schon, weil die Bundeswehr ihren alten Panzerbestand von 5000 auf etwa 250 runterfährt und das Überleben von Krauss-Maffei und Co. nur international gesichert werden kann. Aber in der reinen Moral zählen wirtschaftliche und nationale Interessen nicht. Die Frage ist nur: Wieso hat es Deutschland bei all der Zurückhaltung geschafft, weltweit zur Nummer drei im Waffenexport aufzusteigen? Die Antwort: Alle wollen „Made in Germany“. Und weil wir gut Freund mit jedermann sein wollen, dürfen wir niemanden enttäuschen.

Die EZB und der Euro: Soll Mario Draghi mit allen Mitteln die Gemeinschaftswährung retten dürfen?

Er wird es, weil Deutschland voll-total isoliert ist und die geballten Geldbedürfnisse aller anderen nicht abwehren kann. Theoretisch darf die EZB nicht die Anleihen der Wackelstaaten aufkaufen, aber diese Maginot-Linie ist längst durchbrochen. Merkel hat noch jede Verteidigungsstellung aufgegeben und es nicht geschafft, Verbündete um sich zu scharen. Wir machen jetzt alle auf Club Med; der deutsche Traum von der „Germanisierung“ der Euro-Zone (Haushaltsdisziplin, Marktreformen) verfliegt. Aber wollten wir nicht schon immer wie Italiener leben?

Ein Wort zu Olympia...

London, hieß es, würde im Ansturm von zwei Millionen in der Themse versinken. Aber die Stadt funktioniert auf wundersame Weise (die U-Bahn war schon immer proppenvoll): fröhlich und gelassen. Gut sind auch die Siege von Menschen mit bislang unaussprechlichen Namen aus bislang exotischen Ländern. Schließlich: Warum ist das Stadion immer ausgebucht, wenn junge schöne Mädchen mit cooler Sonnenbrille und knappem Bikini Beachvolleyball spielen? Eben deswegen, wie in Malibu. Three Cheers für Regen- und Nebelland Britannien.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mal

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