Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Zehn Punkte vermissen, Champagner bestellen, klassenkämpfen.

Parteitag der US-Republikaner. Hat Romney eine Chance gegen Obama?

„It ain’t over ’til it’s over“, lautet eine alte amerikanische Politweisheit – „vorbei isses erst, wenn’s vorbei ist“. In einer Welt der sich auflösenden Milieus treffen immer mehr Menschen immer später ihre Wahlentscheidung. Was im Sommer gilt, ist im Herbst „es war einmal“. Aber: Der Abstand zwischen Obama und Romney schrumpft wieder, und plötzlich melden die Umfrager Rasmussen und Gallup gar Gleichstand. Romney darf sich trotzdem nicht freuen. Angesichts der miserablen Wirtschaftslage müsste er nicht gleichauf, sondern mit zehn Punkten vorn liegen. Er hat es nicht geschafft, die Krise zum zentralen Angriffskeil seines Wahlkampfs zu machen.

Deutschland und die Euro-Rettung. Wie viel Zeit soll Griechenland bekommen?

Reichlich. Merkel und der griechische Premier Samaras erinnern an WmdWs Lieblingsfilm „Casablanca“: Der Nassauer und Polizeichef Renault bestellt in der Bar den teuersten Champagner, und sein Gast Victor Lazlo protestiert höflich. Renault: „Keine Sorge, Monsieur. Das ist ein altes Spielchen. Die setzen’s auf die Rechnung, ich zerreiße sie. Sehr praktisch.“ Die Deutschen drängen die Griechen zu Disziplin, Samaras gelobt pünktliche Rückzahlung – und beide wissen, dass diese weder pünktlich noch komplett sein wird. In diesem Spiel ist der Schwache der Starke, weil jener weiß, dass dieser ihn nicht fallen lassen kann und will.

Syrien, seine Nachbarn und die Chemiewaffen: Wann ist der Zeitpunkt gekommen, um einzugreifen?

Obama, der gerade seine „rote Linie“ verkündet hat, sagt: Wenn Assad das Zeug benutzt oder auch nur in Position bringt. Und: Falls die Dschihadisten in den Reihen der Opposition sich der Waffen bemächtigen. Diese Drohung ist glaubwürdig, zumal auch die Israelis und wohl auch die türkischen Nachbarn nicht stillhalten würden, wenn die C-Waffen in die „falschen Hände“ (Obama) gerieten. Es liegt im Wesen einer glaubwürdigen Drohung, dass sie nicht ausgeführt werden muss.

Ein Wort zum Außenminister ...

Guido W. hat schon einmal Mut bewiesen, als er den Handel der NRW-Steuerbehörde mit „Diebesgut“ (geklauten CDs mit Schweizer Bankdaten) anprangerte. Jetzt verteidigt er gegen die SPD das D-CH-Steuerabkommen, auch das zu Recht. Unter diesem gäbe es eine Amnestie für deutsche Steuerflüchtlinge, so sie denn zwischen 21 und 41 Prozent ihres gebunkerten Geldes an den Fiskus zahlen. Hernach gilt für dortige Kapitaleinkünfte der gleiche Satz wie in Deutschland: 25 Prozent plus Soli. Ein gutes Geschäft für den Fiskus, und die „unappetitlichen“ Aufkäufe hören auf. Warum checken das die SPD-Klassenkämpfer nicht?

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“.

Fragen: as

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