Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Die Amerikaner werden Obama wiederwählen, die türkischstämmigen Deutschen sollten auch Heino-Lieder kennen und die deutschen Soldaten gehen nach Mali, weil sie nicht in Libyen waren.

Josef Joffe
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"Zeit"-Herausgeber Josef Joffe.Foto: promo

Morgen wählen die USA den Präsidenten. Wer ist besser, Obama oder Romney?

Für wen? Amerika, Europa? Da hält sich WmdW raus, aber nachdem der „Tagesspiegel“ versprochen hat, ihn nicht wegen Falschvoraussage zu feuern, gibt er eine Prognose ab: Obama wird’s. Warum? 1. Die Wetterfee in Gestalt von „Sandy“ hat Wahlhilfe geleistet; der Notstand ist immer die Stunde der Exekutive, und der knappe Vorsprung Romneys ist seit dem Wochenende dahin. 2. Nicht das Volk entscheidet, das tun die Staaten. In neun der elf „Schlachtfeldstaaten“, die weder „rot“ (Republikaner) noch „blau“ (Demokraten) eingefärbt sind, liegt seit langem Obama leicht vorn. Die meisten werden wohl an ihn gehen und ihm weitere vier Jahre mietfreies Wohnen schenken – im Weißen Haus. Ohne Gewähr!

Erdogan empfiehlt den deutschen Türken, Goethe zu lesen. Was sollten sie noch lesen?

Hegel und Kant will er auch. Den Hegel kapiert selbst WmdW nicht, und Kant nur langsam – obwohl er Philosophie studiert hat. Erdogan muss es also ironisch gemeint haben. Was muss man wirklich gelesen haben, um ein guter Deutscher zu sein? Karl May, „Bild“, die Bundesliga-Tabelle. Die verbotsgespickte Hausordnung in Mietshäusern. Wann man am Wochenende sägen und mähen darf. Dazu ein paar Heino-Lieder. Wer das drauf hat, kann in die höheren Sphären vorstoßen: eine Geschichte der Weimarer Republik und Nazi- Deutschlands. Wieso das Grundgesetz so ist, wie es ist. Etwas Nachkriegsliteratur ist auch gut: Böll und die „Blechtrommel“, aber nicht die letzten Gedichte von Grass.

Die Bundeswehr soll nach Mali. Wo ist Mali?

Google Maps sagt: in Afrika, so im Westen auf Äquatorhöhe. „Was ist Mali?“ ist schon schwieriger. Nach dem Militärputsch im März ist das Land quasi gespalten, und die eigentliche Frage lautet „Wer schießt auf wen?“ MNLA, Ansar Dine, Mujao, al Qaida … Demnächst womöglich auch auf deutsche Militärausbilder. Hauptexport sind Spitzenfußballer, die in Clubs wie Fulham, Barça und Madrid spielen/gespielt haben. Die Hauptstadt ist Bamako, nicht Timbuktu. Letztere war einst sagenhaft reich, eine Stadt der Gelehrten. Heute ein Begriff für einen Ort, der ganz weit weg ist. Demnächst werden wir Mali viel besser kennenlernen, siehe nächste Frage.

Ein Wort zum Außenminister …

Der findet einen deutschen Einsatz in Mali gar nicht gut, aber es sieht ganz nach deutschen Militärausbildern unter der Ägide der EU aus. Wer das in Berlin will, ist noch undeutlich. Aber vielleicht nach der Devise: Wir haben in Libyen schon „nein“ gesagt, und in Syrien sowieso; also müssen wir was tun. Libyen wäre einfacher gewesen; da kennen wir uns seit Rommel schon ein bisschen aus.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mos.

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