Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Die Herrin preisen, eifern und meckern, von Lazarus lernen.

Das Hilfspaket für Griechenland steht. Ist das Land endlich gerettet?

Nein; der nächste Hilfeantrag kommt bestimmt. Wir sollten dennoch dreimal am Tag die Herrin preisen: Merkel ist die Größte. Und dann mechanisch murmeln: Es ist billiger, die Pleitestaaten zu alimentieren, als eine europaweite Finanzkrise auszulösen. WmdW bleibt skeptisch. Griechenland können wir uns erlauben. Wenn aber Spanien, Frankreich und Italien nicht in die Gänge kommen, geht Deutschland schon beim ersten das Geld aus. Reformieren sich diese Länder nicht, geht Europa weiter den Bach runter. Das Wachstum der EU-27 sinkt sachte seit 40 Jahren; ihr Anteil am Weltwirtschaftsprodukt ist seitdem um zehn Punkte gefallen. Wo ist Gerhard „Agenda 2010“ Schröder, wenn wir ihn wirklich brauchen?

Die Palästinenser setzen sich bei den UN durch, in Ägypten stärkt der Präsident seine Macht: Wie soll Israel reagieren?

Bei Mursi wartet Israel ab, ob er den iranischen Raketenfluss nach Gaza unterbindet. Gegenüber den Palis hat Israel schon reagiert, durch Autorisierung von 3000 Wohnungen im Westjordanland. Der „Friedensprozess“ ist toter denn je seit 2010, seit die Palis nicht mehr mit Israel reden. Abbas hat mit der UN-Taktik gezeigt, dass er den Staat nicht durch Verhandlungen erringen will, sondern wähnt, ihn von der Welt auf dem Silbertablett serviert zu bekommen. Viel Glück. Israel hat genau das getan, was den Weg noch steiler macht. Das Signal ist: Wir bleiben. Auch hier: viel Glück.

Der Bundestag regelt die Beschneidung. Ende der Debatte?

Nein. Der Zentralrat findet das Gesetz gut, weil es bis zum Alter von sechs Monaten den Vorhautschnitt auch durch Nichtärzte erlaubt. Das Ritual findet bei Juden am achten Tag statt, wie weiland bei Jesus (am 1. Januar 0001). Muslime mosern, weil es bei ihnen bis zum 14. Lebensjahr stattfindet. Kindeswohleiferer werden weiter meckern und den kurzen Schnitt mit der Verstümmelung von Mädchen in Afrika und Mittelost gleichsetzen. Wer grundsätzlich den Staat über den Glauben stellt, wird weiter die Gerichte bemühen. Die Sache wird erst beendet, wenn circa 700 Millionen amerikanische und islamische Männer schwören, ihre Eltern wegen der Prozedur nicht zu verklagen.

Ein Wort zum Außenminister…

WmdW hat auf einem Podium den „neuen, besseren“ Guido W. erlebt. Wenn er Zuspruch erlebt, lässt er die staatsmännische Pose und kämpft wieder. In der innenpolitischen Debatte wird er dezidiert und temperamentvoll. Wenn der Mann ab Sommer weniger reist und dafür in die Wahlkampf-Bütt steigt, könnte er der FDP zu neuem Leben verhelfen. Dann werden Historiker schreiben: „Das war das beste Comeback seit Lazarus.“

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: as

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