Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Auf Drohnen setzen, Konspiration wittern, Mursi genau zuhören.

Militär und Moral: Braucht die Bundeswehr bewaffnete Drohnen?

Braucht irgendeine Armee seit dem „griechischen Feuer“ und dem Katapult Waffen, die weiter reichen, als das Auge blicken kann und von relativ sicherem Port abgeschossen werden? Solche Waffen sind so alt wie der Krieg selber. Ist der Mann mit dem Joystick unmoralischer als der Bomberpilot, der seine Opfer nicht sieht und Soldaten wie Zivilisten trifft (Coventry, Rotterdam, Dresden)? Wenn die Bundeswehr gegen Terrorfürsten kämpft, die aus sicherer Distanz Selbstmordbomber losschicken, muss sie die Drahtzieher ins Visier nehmen und dabei ihr eigenes Risiko minimieren. Oder deren „asymmetrischer Kriegführung“ mit dem eigenen technischen Vorteil begegnen. Ist es moralischer, ganze Häuserblocks mit Bomben plattzumachen als mit einer Drohne die Befehlshaber zu töten?

Israel bombardiert Ziele in Syrien: Weitet sich der Bürgerkrieg aus?

Nahost ist das Land der Verschwörungstheorien. WmdWs Version läuft so: Assad liebäugelt mit seiner letzten Karte: die Israelis in einen Krieg und die Araber auf seine Seite zu ziehen. Deshalb die Lieferung von weit reichenden Luftabwehrraketen an die Hisbollah, um israelische Schläge zu provozieren. Solche Entsendung überschreite eine ungeschriebene „rote Linie“; folglich die israelische Warnung – auch an die Iraner, deren Militärberater laut einer zweiten Theorie ebenfalls getroffen wurden. Andererseits hat WmdW ein eisernes Gesetz: Versuche nicht, auf Konspiration zurückzuführen, was durch Chaos und Inkompetenz erklärt werden muss.

Mursi trifft Merkel: Wie hat sich der Ägypter bei seinem Besuch geschlagen?

Nicht gut. Seine früheren antisemitischen Tiraden seien „aus dem Kontext gerissen“ worden; überdies hätte er nichts gegen Juden, sondern nur gegen „Zionisten“. Leider ist die Parole von den Juden als „Abkömmlinge von Affen und Schweinen“, die man tagtäglich in Arabien hört, nicht auf Israelis gemünzt, denn die gab es in der Zeit der Koran-Niederschreibung nicht. Der Mann lebt in einer Welt, in der Antisemitismus praktisch Staatsreligion ist. Wie konnte er sich davon distanzieren? Gut, dass Merkel den Dialog sowohl mit der ägyptischen Opposition als auch mit Israel betont hat.

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik ...

Es bleibt bei der löchrigen Sprachregelung. Verteidigungsminister de Maizière hat auf der Münchner Sicherheitskonferenz „wichtig und richtig“ zum Mali-Einsatz der Franzosen gesagt, aber hauptsächlich Hilfe für die Nachkriegszeit angeboten. Man muss ihm zugute halten, dass militärische Anfangssiege einfach sind; schwierig und langwierig wird’s beim Aufbau von Staat, Wirtschaft und „nachhaltiger“ Sicherheit. D bleibt Großmacht wider Willen.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mal

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