Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Nordkorea beschützen, Gerhard Schröder suchen, legal Steuern hinterziehen.

Kriegsgetöse in Nordkorea: Ist Kim ein Verrückter oder ein genialer Stratege?

Weder noch. Es braucht nicht viel Grips, um die strategischen Realitäten seit Kim Opa und Kim Papa zu überreißen. Die beiden haben die Atombombenproduktion in Gang gesetzt, und es ist ihnen nix passiert. Im Gegenteil: Clinton wollte Kim Sr. gar mit zwei Zivil-Reaktoren bestechen, um ihn von der Bombe abzubringen. Wenn die Risiken so klein sind (dafür sorgt auch der Halbverbündete China), kann ein totalitäres Regime die Welt in Aufruhr versetzen, um mit den verstärkten Feindbildern die Bevölkerung daheim zu kujonieren. Mehr als defensive Manöver (der Ausbau der US-Raketenabwehr im Pazifik) kommen nicht. Iran hat diese ermunternde Lektion auch gelernt.

Sozialisten im Umfragetief: Was kann Steinbrück von Hollande lernen?

Nicht viel. Ein Präsident hat mehr Gelegenheiten zur Selbstdarstellung als ein Kanzlerkandidat, den die Partei in Wahrheit nicht will. Steinbrück, ein Mann von hoher Intelligenz und unabhängigem Geist, ist ein tragischer Fall. Es wäre gut, eine Alternative zu „Merkel Forever“ zu haben, aber wer links wählen will, hat schon drei andere Parteien zur Auswahl: die Merkel-Union (rosa), die Grünen (rot-grün gestreift) und die Linke (alt-rot). Die Sozen können nur hinterherlaufen. Wo bleibt Schröder, wenn man ihn wirklich braucht?

Nach den Enthüllungen von „Offshore-Leaks“: Wo kann man jetzt noch sein Geld anlegen?

WmdW erinnert an eine Schlüsselszene in dem Film „Die Firma“. Da fragt der alte Anwaltshase Gene Hackman den jungen Tom Cruise: „Kennst du den Unterschied zwischen Steuerhinterziehung und -vermeidung?” – „Nee“ – „Fünf Jahre“. Knast zu riskieren, zeugt von Blödheit. Es gibt in jedem Land so viele Möglichkeiten der völlig legalen Vermeidung, bloß nicht für Lohnabhängige, die an der Quelle abgefischt werden. Wer Millionen in die Steueroasen trägt, kann sich sehr wohl einen gewieften Steuerberater wie Gene Hackman leisten. Aber: Reichsein schützt offensichtlich vor Dummheit nicht

Ein Wort zu Amerika...

Obama probt die Familienzusammenführung. Im Haushalt 2014, den er am Mittwoch vorstellt, will er nicht nur die Steuern erhöhen (plus 700 Milliarden für die nächsten zehn Jahre), sondern auch die Ausgaben kürzen (minus 1100 Milliarden), vor allem für die Renten und die staatliche Krankenversicherung für Alte (Medicare), deren Leistungen – anders als der deutsche Mensch glaubt – sehr großzügig sind. Es ist allerdings einfacher, von den Reichen zu nehmen, als von den 62 Millionen Social-Security-Empfängern, welche die stärkste Lobby in den USA haben.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Zurzeit lehrt er Politikwissenschaft an der Stanford University in Kalifornien.

Fragen: fal

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