Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Richter verklagen, die Guten in Syrien suchen und für Italien beten.

Der NSU-Prozess beginnt. Was kann er leisten?

Schuld feststellen und Schuld sühnen, was nicht so einfach ist, wenn zwei von den drei mutmaßlichen Killern tot sind. Schreibt die Staatsanwaltschaft, wie offensichtlich geplant, alle Untaten der Beate Z. zu und folgt das Gericht dieser Lesart, gibt’s einen prächtigen Revisionsgrund. Unabhängig davon möchte WmdW gern einen klitzekleinen Zivilprozess gegen den Staatsschutzsenat am OLG München anstrengen, und zwar wg. verschärfter Raumnutzungsunfähigkeit im Wiederholungsfall. Praktisch denkende Menschen wären von vornherein in einen größeren Saal umgezogen, derer es in München viele gibt, statt sich gleich zweimal das Theater um die Verteilung der Presseplätze zu leisten. Diese kabarettreife Nummer ist dem Ernst des NSU-Prozesses nicht angemessen und passt besser in die Starkbierzeit.

Barack Obama erwägt, Waffen an die syrischen Rebellen zu liefern. Frieden schaffen mit immer mehr Waffen?

Eine hübsche Umkehrung der Verhältnisse, hat doch früher immer die friedensbewegte Linke gegen Interventionen gepoltert, und tut es auch heute, wenn es um Waffenexporte nach anderswo geht. Assads Feinde leiden nicht an Waffenmangel; den beheben bereits die sunnitischen Mächte, die Assad und seine schiitischen Verbündeten (Alawiten, Drusen, Hisbollah, Iran) in die Dschehenna („Hölle“) wünschen. Hinzu kommt: Die Opposition wird von lauter üblen Gesellen (Al Qaida & Co.) dominiert. Es gibt nur noch wenige „Gute“ als Adresse für US-Waffen; ein Gutteil wird zwangsläufig bei den „Bösen“ auflaufen. Afghanistan II: Die Waffen für die Taliban wurden nach dem Sowjetabzug benutzt, um die Klerikaldiktatur einzurichten. Und trotzdem wird Obama den gleichen Fehler machen, um so den direkten Eingriff zu vermeiden.

Italien hat eine neue Regierung. Wie lange hält sie?

Bis Sign. Letta merkt, dass er mit seinem Anti-Sparkurs in die nächste Krise fährt. Die 20 Milliarden Euro, die er braucht, um Steuern zu senken und Sozialausgaben zu erhöhen, wird er auf dem Markt zu den jetzigen Niedrigzinsen nicht kriegen. Trotz aller Beteuerungen bedeutet der Lettismus mehr Defizite und Schulden, was die Märkte gar nicht mögen. Bleibt er dabei, ist deren nächster Angriff programmiert, das Ende der 64. Regierung nach 1945 wohl auch. O bella Italia!

Ein Wort zu Amerika ...

Nach der Verhaftung der drei Zarnajew- Freunde: Die gute Nachricht ist, dass es sich um Einheimische handelt. Die schlechte ist, dass zwei von ihnen kasachische Studenten sind. Wenn es jetzt schwerer für ausländische Studenten wird, in die USA zu kommen, hätte der Terror wieder einen Sieg gegen die freie Gesellschaft errungen.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mal

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar