Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Dem BND vertrauen, das Feindbild Israel nutzen, Steuern für Tote zahlen.

Auch Microsoft soll der NSA geholfen haben. Wem kann man noch vertrauen?

Ihrem Bäcker, vielleicht? Nee, der knetet nicht mehr, sondern holt sich den Schrippenteig aus der Fabrik. Microsoft sowieso nicht, steht doch MS im Dauerkontakt mit Ihrem PC. Schon gar nicht Google; die Firma weiß wegen ihres Browsers alles über Sie. Der Telekom auch nicht; die sammelt Ihre Verbindungsdaten. Seinen Augen traut WmdW nicht mehr, seitdem er weiß, was man mit Photoshop machen kann. Den „Pressbengeln“ (Bismarck) schon gar nicht; schließlich ist er selber einer. Am meisten traut er dem BND. Dem fehlt die Schnüffelkapazität von NSA, GCHQ, DGSE und FAPSI (US, UK, F, RU). Deshalb sind wir Deutschen auch die moralisch saubersten von allen.

Mursi oder das ägyptische Militär. Wer ist besser für Israel?

Ägypten, das noch jeden Krieg gegen Israel verloren hat, will grundsätzlich (und regimeübergreifend) eine stabile Ostfront, zumal seitdem es vor 30 Jahren den Sinai zurückgekriegt hat. Als die Muslimbrüder noch regierten, haben sie dafür gesorgt, dass ihre Hamas- Verwandten sie nicht in einen Krieg mit Israel ziehen. Die Generalität versteht die strategische Lage immer besser als die Politik und Geistlichkeit, aber auch Ägypten wird wie unter Mubarak keinen echten Frieden schließen. Das Feindbild Israel ist zu nützlich für den Machterhalt; rumort’s daheim, lässt sich das Volk mit dem wahren Schuldigen Israel ablenken.

Jetzt kommt auch Lettland in den Euro. Ein gutes Zeichen für die Währung?

Und wie! Mit zwei Millionen Menschen und einem BIP von 28 Milliarden Dollar verleiht Lettland der Euro-Zone einen kräftigen Schub, der gerade mal 330 Millionen bzw. zehn Billionen auf die Waage bringt. Das Wachstum war „chinesisch“ (zwölf Prozent 2006), ist aber auf 3,5 zurückgefallen (immer noch märchenhaft im Vergleich zur Euro- Zone), aber die Arbeitslosigkeit ist fast doppelt so hoch (16 Prozent). Mit anderen Worten: Die Euro-Krise muss im Kernland gemeistert werden; am lettischen Wesen wird die Euro-Zone nicht genesen.

Ein Wort zur russischen Justiz...

...,die gründlicher arbeitet als jede andere, hat sie doch gerade einen Toten, Sergej Magnitskij, wegen Steuerhinterziehung verurteilt, nachdem der in der U-Haft durch Misshandlung gestorben war. In die war er geraten, weil er einen bandenmäßigen Steuerbetrug (etwa 200 Millionen Euro) aufgedeckt hatte. Das ist beste russische Tradition, wie in Gogols „Toten Seelen“. Gutsbesitzer mussten damals auch Steuern auf verstorbene Leibeigene zahlen, gut für die Staatskasse. Daher der Spruch: „Die nehmen es auch von den Toten.“ Insofern ist Wladimir I. ein vorbildlicher Garant zaristischer Traditionen.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: fal

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