Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Obama ohne Geschick, Berlusconi ohne Macht, Westerwelle ohne Applaus.

„Government Shutdown“ in den USA. Was macht Barack Obama falsch?

Ein Mann, der übers Wasser wandelt, kann doch nichts falsch machen – jedenfalls, solange er weiß, wo knapp unter der Oberfläche die begehbaren Steine liegen. Setzt man allerdings weltliche Maßstäbe an, darf man sagen, dass er im Verhältnis zur Opposition fast alles falsch gemacht hat. Anders als jeder Präsident vor ihm, egal, von welcher Partei, hat er die geheiligte amerikanische Tradition verworfen, wonach das Weiße Haus die Opposition einzubinden versucht – erst recht, wenn die eines der beiden Häuser im Kongress beherrscht. Obama und die Republikaner verdienen einander.

Die Regierung in Rom kann gegen den Willen von Silvio Berlusconi weitermachen. Was ist mit Italien los?

Bella Italia ist gerade etwas mehr bella geworden. Denn Berlusconi, der Operetten-Beelzebub der italienischen Politik, hat seine Kraftprobe mit der Regierung von Enrico Letta verloren. Weil rechtskräftig verurteilt, müsste er jetzt auch endgültig sein Mandat im Senat verlieren; das ist die nächste Kraftprobe. Verliert er die auch, wird der Fluch des Cavaliere von Italien genommen. Über diesen Mann lässt sich nichts Gutes sagen, außer: „Buon viaggio“ – aber nur one-way.

Irans neuer Präsident Ruhani hat mit einer Charme-Offensive begonnen. Kann man ihm glauben?

Er glaubt gewiss an seinen eigenen Charme, aber wir haben noch zu wenig vom eigentlichen Machthaber gehört, dem Religionsführer Chamenei. Der wartet ab, ob Ruhani die Sanktionen lockern kann, ohne dabei die iranische Bombenoption aufgeben zu müssen. Wenn nicht, ist Ruhani der Loser und der Oberste kann sagen: „Ich habe schon immer gesagt, dass Amerika der große Satan ist.“ Grundsätzlich meint WmdW: Ein Land, das seit Schahs Zeiten (damals mit deutscher Hilfe) an der atomaren Option arbeitet, dabei unsägliche Kosten (Sanktionen) und Risiken (US- oder israelischer Angriff) akzeptiert hat, wird dieses Instrument nicht mit einem charmanten Lächeln aus der Hand legen. Solange verhandelt wird, fallen keine Bomben. Deshalb wird Teheran die Gespräche endlos verlängern.

Ein Wort zum Außenminister ...

WmdW sieht mit wachsender Spannung dem 22. Oktober entgegen, an dem der neue Bundestag zusammentritt, aber womöglich noch keine neue Koalition steht. Dann bliebe Guido W. Außenminister einer geschäftsführenden Regierung, obwohl kein einziger FDP-MdB mehr im Bundestagsrund säße, der ihm applaudieren würde. Andererseits behaupten böse Zungen, dass sowieso niemand zuhört, wenn vorne geredet wird. Wenn das stimmt, bliebe alles beim Alten, und wir bräuchten gar keine neue Regierung.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“.

Fragen: fal

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