Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Eine neue Freundschaft mit den USA erleben und das Rauchverbot beklagen.

Heute alle Fragen zur 50. Münchner Sicherheitskonferenz: Auf wie viel Grad ist das transatlantische Verhältnis abgekühlt?

Im Vergleich zu wann? Zu 1966, als Kanzler Erhard stürzte, weil er den Amerikanern zu viel an Stationierungskosten zahlen musste? Zu Vietnam, als die erste Anti-Amerikanismus-Welle durchs Land rollte? Zu den frühen 70ern, als der Westen in der Ostpolitik ein neues „Rapallo“ (Kungeln mit Moskau) witterte? Zu den späten, als Jimmy Carter und Helmut Schmidt sich nicht ausstehen konnten? Von 1979 (Neutronenbombe) bis 1983 (Stationierung der Pershing)? 2002, als Schröder mit Paris und Moskau ein Bündnis gegen den Irakkrieg zimmerte? Dagegen war die 50. Konferenz ein Freundschaftsspiel unter dem Motto „atlantische Renaissance“. Ausnahme NSA. Thomas de Maizière: „Der außenpolitische Schaden ist größer als der sicherheitspolitische Nutzen über den Atlantik hinweg.“

Deutschland soll mehr Verantwortung in der Welt übernehmen, heißt es. Was ist damit konkret gemeint?

Das weiß Ursula von der Leyen am besten, die die Idee aufgebracht hat, ohne über die Mittel zu räsonieren. Wichtig aber war die historische Rede des Bundespräsidenten. Joachim Gauck, der sagte, der Pazifismus dürfe kein „Deckmantel der Bequemlichkeit werden“. Er stellte eine gute Maxime zu Militäreinsätzen auf: Das Land „darf weder aus Prinzip nein noch reflexhaft ja sagen“. Leider bleiben die Deutschen in den Umfragen bei ihrem reflexhaften Nein. Das wird nicht die letzte Rede gewesen sein. Aber ein kluger Anfang ist getan.

Iran, Syrien, Ukraine: Liegt der Schlüssel zur Lösung der drängendsten Probleme in Moskau?

Syrien: Das glaubt noch nicht einmal Außenminister Sergej Lawrow, der in München die Ohnmacht Russlands zu Markte trug. Ukraine? Die eiserne Sprachregelung: Dies sei keine demokratische Bewegung, sondern eine „angestiftete“, durchsetzt von Rassisten und Antisemiten. Putin wartet erst einmal ab, wie der Wind sich dreht. Iran: Teheran sieht nur einen gewichtigen Gegenspieler – die USA, die am Steuer sitzen; Moskau fährt mit. Es will keine iranische Bombe, aber auch nicht Büttel der Amerikaner sein.

War früher alles besser – auch auf der „Sicherheitskonferenz“, geb. „Wehrkunde“?

Ja. Erstens durfte man nach Herzens- oder Lungenlust rauchen. Zweitens fand die frühe Wehrkunde im Münchner Regina-Hotel statt, einer Faschingshochburg. Da es weder Bätsches (Ausweise um den Hals) noch 3000 Sicherheitskontrolleure gab, konnten Teilnehmer unbelästigt zwischen Tanz- und Redefläche wechseln und tiefschürfende Gespräche über Nuklearstrategie mit jungen Nicht-Expertinnen führen.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“.

Fragen: mal

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