Zeitung Heute : Vier polnische Städte gedenken der Synode von Gnesen im Jahr 1000

Klaus Klöppel

Die Millenniums-Feuerwerke sind längst verglüht, doch Polen feiert noch das ganze Jahr. Anlass ist eine Synode, die im März des Jahres 1000 in Gnesen stattfand. Dort wurde die Bildung des Erzbistums von Gnesen sowie der Bistümer Kolberg, Breslau und Krakau verkündet. Dieses Ereignis war zugleich ein wichtiger Meilenstein bei der Entstehung des Staates Polen. In allen vier Bistumsstädten erwartet Reisende ein vielfältiges Veranstaltungsprogramm.

Gniezno, das ehemalige Gnesen, ist vor allem für gläubige Katholiken ein wichtiges Ziel. Denn im Dom auf dem Lechhügel ruhen die Gebeine des Heiligen Adalbert. Er war aufgebrochen, um die slawischen Völker im heutigen Polen zu missionieren, wurde aber 997 von einem widerspenstigen heidnischen Priester geköpft. Der zum Christentum bekehrte Fürst Boleslaw Chroby kaufte den Übeltätern den Leichnam ab, um ihn in Gnesen zu bestatten. Eine lohnende Investition, wie sich später erweisen sollte.

Zum Grab von Adalbert in Gnesen pilgerte im Jahr 1000 auch Kaiser Otto III. Er verkündete dort das päpstliche Dekret, mit dem die vier Bistümer entstanden. 25 Jahre später krönte sich Boleslaw mit Unterstützung seines kaiserlichen Freundes zum ersten König von Polen, Gnesen wurde für 13 Jahre die erste Hauptstadt Polens. Heute hat die 70 000 Einwohner zählende Stadt in der Nähe von Posen an Bedeutung eingebüßt. Doch sie ist im Jubiläumsjahr nicht nur für Pilger interessant.

Sehenswert in der sanierten Altstadt ist neben der mächtigen Kathedrale aus dem 14./15. Jahrhundert das Museum der Ursprünge Polens. Im Jubiläumsjahr bietet Gniezno unter anderem eine Ausstellung mit Grafiken von Günter Grass (bis 12. März) sowie ein Historisches Fest mit Umzug (16. bis 18. Juni).

In Krakau, der zweiten Hauptstadt Polens, wird dieses Jahr nicht nur die Bistumsgründung gefeiert. Die Stadt präsentiert sich zugleich als eine der neun Kulturstädte Europas. Entsprechend umfangreich ist der Veranstaltungskalender. Das Programm konzentriert sich auf die Altstadt, die als Weltkulturerbe unter dem besonderen Schutz der Unesco steht. Ausstellungen von Mai bis Oktober erinnern an die 1000-jährige Geschichte des Wawels, des Zentrums der geistigen und weltlichen Macht, sowie an die Wiedergründung der Jagiellonen-Universität vor genau 600 Jahren. Darüber hinaus finden in der Kulturstadt eine Fülle von Konzerten, Tanz- und Theaterfestivals, Ausstellungen und Konferenzen statt. Erwähnt seien nur das Internationale Festival des Avantgarde-Theaters (23. bis 27. März), der Ballett-Frühling (April bis Juni), das Jüdische Kulturfestival (1. bis 9. Juli) oder das Fest der Alten Musik (15. bis 31. August).

Kaum weniger umfangreich ist das Programm in Wroclaw, dem ehemaligen Breslau. Die Hauptstadt Niederschlesiens sieht ihre Millenniums-Veranstaltungen als Generalprobe für die geplante Weltausstellung Expo im Jahre 2009. Die Höhepunkte liegen im Juni: Am 20. Juni werden die Staatspräsidenten jener vier Staaten erwartet, zu denen Breslau einst gehörte oder heute gehört: Deutschland, Österreich, Tschechien und Polen. Eine Erinnerung an die wechselhafte Geschichte und zugleich die Suche nach einer neuen Rolle im Zentrum Europas. Zu einem großen Treffen berühmter Breslauer sind Künstler, Politiker und Wissenschaftler aus aller Welt am 18. Juni eingeladen. Kurt Masur, auch er ein ehemaliger Breslauer, wird zu einem Konzert mit seinen New Yorker Philharmonikern am 29. Juni erwartet. Joe Cocker kommt am 10. Juni, Star-Tenor José Carreras gibt am 24. Juni ein Konzert auf dem Wasser. Ein großer Festzug führt am 25. Juni durch die wieder aufgebaute Altstadt von Breslau.

Auch in Kolobrzeg, einem der wichtigsten Ferienorte an der polnischen Ostseeküste, nimmt man das 1000-jährige Jubiläum der Bistumsgründung zum Anlass für ein besonderes Festprogramm. In der früheren Salz- und späteren Festungsstadt Kolberg wirken die schweren Zerstörungen aus dem Zweiten Weltkrieg noch nach. Doch im Zentrum wurden wichtige historische Gebäude wie der gotische Dom und das nach Plänen von Schinkel errichtete Rathaus wieder aufgebaut. Neben einer Ausstellung über sakrale Kunst (10. Juni bis 1. August) locken vor allem maritim geprägte Veranstaltungen. Höhepunkt dürfte der Karneval des Meeres vom 29. Juni bis 9. Juli werden, bei dem es neben einer großen Segelregatta auch eine Nacht der Seeräuber geben wird.

Berichtigung

In dem Artikel "Nicht nur für Pilger" zum Gedenken der Synode von Gnesen im Jahr 1000 hat uns ein Leser auf einen Irrtum hingewiesen. Im Text hieß es, Boleslaw habe sich 25 Jahre nach dem Besuch des Kaisers Otto III. in Gnesen "mit Unterstützung seines kaiserlichen Freundes zum ersten König von Polen" gekürt. Richtig ist, dass Boleslaw im Jahr 1025 König von Polen wurde. Richtig ist aber auch, dass Otto III. bereits 1002 starb und Boleslaw gegen dessen Nachfolger Heinrich II. sogar drei Kriege führte. Heinrich II. starb 1024 und Boleslaw nutzte das folgende Interregnum, sich ­ wohl mit Hilfe der Kirche ­ 1025 zum König zu machen. Er starb allerdings noch im selben Jahr.Allgemeine Auskünfte erteilt das Polnische Fremdenverkehrsamt, Marburger Straße 1, 10789 Berlin; Telefon: 210 09 20, Telefax: 210 09 14.

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