Zeitung Heute : Virtuelle Kunst: Computerbilder wurzeln in der Antike

Sven Oliver Lohmann

Auf den Erfolg müssen Forscher nicht immer lange warten: Oliver Grau vom Kunstgeschichtlichen Seminar der HU wurde vor kurzem in die Junge Akademie der Leopoldina in Halle und der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften aufgenommen. Der promovierte Forscher hatte seit Ende 1999 eine Datenbank zur virtuellen Kunst aufgebaut. Im Januar legte er sein erstes Buch vor: "Virtuelle Kunst in Geschichte und Gegenwart".

Die moderne Bilderwelt der Computer und Hightech-Labore ist nicht geschichtslos. Grau spannt in seinem Buch den Bogen von den Wandmalereien Pompejis über die Bilderwelt der frühen Neuzeit, Panoramen, 3D- und IMAX-Kinos bis zu den jüngsten Vertretern der Computerkunst. Künstliche Welten aus dem Computer gelten als neuartiges Phänomen. Das virtuelle Element in der Kunst ist jedoch mindestens 2000 Jahre alt. Die Mysterienvilla in Pompeji, der Sacro Monte bei Varallo, Anton von Werners Schlacht von Sedan, die Seerosen von Monet und die ersten bewegten Bilder der Brüder Lumière - in seinem Buch betrachtet Grau die historischen Illusionsräume. Über die Geschichte des Films im 20. Jahrhundert führt er zu aktuellen Trends der virtuellen Kunst bei Charlotte Davies, Monika Fleischmann oder Christa Sommerer, die Kunst und Wissenschaft miteinander verbinden.

Der Autor zeigt, dass die virtuelle Realität und ihre Kunst sich bis in die Antike zurückverfolgen lässt und in den Strategien der modernen Medienkunst erneut zu Tage tritt. Grau zeigt die grundsätzliche Veränderung der Kunst durch die Digitalisierung: So stellen Interaktivität und Virtualität nicht nur die Trennung von Autor und Betrachter in Frage. Auch den Status des Kunstwerkes und die Funktion der Ausstellung ziehen sie in Zweifel. Graus Analyse bereichert die aktuelle Debatte um Medienkunst und virtuelle Welten um eine historische Perspektive.

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