Zeitung Heute : Virtuelle Müll–Trennung

Verbraucherschutzministerin Künast unterstützt eine Aktion gegen Spam-Mails – dabei ist mancher Brief gar nicht so unerwünscht

Antonia Kränzlin

Der Begriff „Spam“ kommt eigentlich aus dem Amerikanischen und bedeutet soviel wie Dosenfleisch. Im Zeitalter des Internets bedeutet Spam aber auch „Müll“, „Abfall“, oder einfach: „unerwünschte E–Mail–Post“. Ob nun Werbung für Urlaubsreisen oder für Gewinnspiele, Angebote zum Geldsparen oder Hinweise auf pornografische Seiten – Spam ist für den User von heute nichts Neues, aber es kann extrem lästig sein. Schnell kann es passieren, dass Spam den Posteingang überflutet, ihn sogar komplett ausfüllt, so dass keine wichtigen E-Mails mehr eingehen können.

Die Internetprovider haben seit geraumer Zeit Spam–Filter installiert, die diese unerwünschten Mails im Posteingang aussortieren. Entweder blockiert der Filter die Nachrichten von bestimmten E-Mail-Adressen, oder er blockiert Nachrichten, bei denen vom User angegebene Begriffe in der Betreffzeile auftauchen. Dabei kommt es manchmal auch vor, dass eine wichtige Nachricht als Spam identifiziert und geblockt wird. Dann wird tagelang auf eine Nachricht gewartet, bis man auf die Idee kommt, den Spam–Filter zu durchsuchen, wo man die Nachricht vielleicht doch noch findet.

Dennoch pocht man zum Beispiel bei AOL Deutschland auf den Nutzen der Spam–Filter und nimmt auf das Problem der fälschlicherweise als Spams identifizierten E-Mails anscheinend keine Rücksicht. „Dazu haben wir keine Zahlen“, sagt Pressesprecher Marc-Sven Kopka. Eine Lösung kann das Unternehmen nicht anbieten.

AOL Deutschland ist von den Spam-Filtern und ihrer Notwendigkeit für den User überzeugt und will jetzt sogar erreichen, dass man gesetzlich gegen Spammer, also die Absender der unerwünschten Nachrichten, vorgeht. Rund 100 000 Unterschriften hat AOL Deutschland zusammen mit der Fachzeitschrift Computerbild gesammelt, um ihrer Forderung beim Bundesministerium für Verbraucherschutz Nachdruck zu verleihen.

Unter dem Motto „AOL und Computerbild gegen E–Müll“ überreichten der AOL Deutschland-Geschäftsführer Stan Laurent und der stellvertretende Chefredakteur der Computerbild Harald Fritsche am vergangenen Mittwoch als Müllmänner verkleidet der Verbraucherschutzministerin Renate Künast eine CD-Rom mit den gesammelten Unterschriften. Etwas eingekeilt zwischen zwei thematischen Mülllastern und leicht irritiert vom daraus aufsteigenden Geruch nahm Künast die „ökologisch–moderne Form der Unterschriftensammlung“ entgegen und versprach: „Wir sind auf dem richtigen Weg!“ Spam sollte unter das Gesetz des „Unlauteren Wettbewerbs“ (UWG) fallen. Gegen Spammer müsse man gesetzlich vorgehen. „Verschickte Werbung ohne die Zustimmung des Empfängers ist eine Belästigung.“ Täglich werden bei AOL weltweit rund 2,6 Milliarden Spam–Mails geblockt. Laut AOL–Sprecher Kopka entspricht das in ausgedruckter Form einer Strecke viermal um die Erde plus einmal zum Mond.

Der Rechtsschutz gegen die unverlangten Werbebotschaften wird derzeit verbessert. Künftig soll es möglich sein, die Spammer ausfindig zu machen und mit Geldstrafen zu belegen. Die Gewinne, die ein Spammer durch seine Nachrichten erzielt, sollen zum Beispiel abgeschöpft werden. Dadurch erhofft man sich, andere Spammer abzuschrecken.

Bleibt das Problem mit den falsch gespammten Nachrichten. Der User sollte ab und zu das Spam-Verzeichnis prüfen und hoffen, dass dort vielleicht eine lang erwartete E-Mail auftaucht.

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