Zeitung Heute : Virtueller Fremdenführer: Die Firma Datango bietet sprachgeführte Touren durch das Internet

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Nirgends tritt der Informations-Overkill deutlicher auf als im Internet. Über eine Milliarde Websites gibt es inzwischen, und täglich kommen Unzählige hinzu - ein Ende dieses rasanten Wachstums ist nicht abzusehen. Der Frust beim Surfen überkommt dabei nicht mehr nur den Laien. Auch Geübtere sehen sich zunehmend mit einem Chaos konfrontiert, mit Links, die ins Nichts führen, mit Websites, die außer Werbung nur hochkonzentrierte Langeweile zu bieten haben. Das sind gute Zeiten für Unternehmen, die Ordnung ins digitale Durcheinander bringen. Datango, eine Berliner Firma mit 53 Mitarbeitern, macht das seit über einem Jahr - mit Erfolg. Laut der Beratergesellschaft Bain & Company gehört die Firma zu den zehn besten Unternehmen der "New Economy".

Datango bietet dem Internet-Interessierten ein einmaliges Angebot: Mit Hilfe von "Webrides" kann er sich vor seinem Monitor zurücklehnen und durch das Netz führen lassen. Wer sich etwa für Vulkane interessiert, muss nur die entsprechende Tour anklicken. Eine sprachkommentierte Reise führt dann - wie ein Fremdenführer durch eine Stadt - durch die interessantesten Vulkan-Seiten des Netzes. Insgesamt stehen zurzeit über 600 solcher Webrides zur Verfügung. Die Themen reichen von der Bausparkasse bis hin zum Basketball-Meister Alba Berlin.

"Früher wurden die Webrides von unseren Mitarbeitern gemacht. Jetzt haben die Nutzer das Wort", sagt Clifford Fullerton, Leiter Content bei Datango. "Jeder ist ja auf irgendeinem Gebiet Experte. Jeder kann jetzt zu seinem Thema eine Webride herstellen." In einem Pilotprojekt hatte sich bereits gezeigt, welche "Vielfalt und Tiefe" der Touren sich durch Einbeziehung der Nutzer ergeben. Auch die Qualitätskontrolle liegt fortan in der Hand der User: Sie sind es, die die Webrides bewerten und so ein Ranking erstellen.

Finanziert wird Datango durch die Werbung auf ihren Websites. Außerdem hat die Firma gerade knapp 20 Millionen Mark vom Risikokapital-Unternehmen Atlas Venture bekommen. "Langfristig möchten wir dahin kommen, dass 30 Prozent unserer Einnahmen aus der Werbung, 70 Prozent hingegen durch Lizenzgebühren zustande kommen", sagt Alexander Artopé, Mitbegründer und Geschäftsführer der Firma. Diese Lizenzgebühren würde Datango von Unternehmen verlangen, die für ihre Kunden eine Webride zu ihren Internetseiten anbieten möchten. Für den privaten Webride-Macher freilich gibt es keine Gebühr, im Gegenteil: "15 Prozent unserer Werbeeinnahmen gehen an die Produzenten der Webrides", so Artopé. Je nach Erfahrung des Produzenten und seiner Position im Ranking fällt diese Vergütung anders aus.

Mit einem Börsengang möchte sich Geschäftsführer Artopé noch etwas Zeit lassen: "Zunächst werden wir unser Produkt weiter entwickeln, damit wir auch mit einer soliden Basis an die Börse gehen". Das Erreichen dieser "soliden Basis" allerdings könne er sich schon Ende nächsten Jahres vorstellen.

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