Zeitung Heute : Visionär des Horrors

Michel Houellebecqs Roman „Die Plattform“ liest sich wie ein Drehbuch für Bali

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Das Buch liest sich wie eine Vorwegnahme des Terroranschlags auf Bali. Einziger Unterschied: Michel Houellebecqs Roman „Die Plattform“ (DuMont Verlag) spielt in Thailand statt in Indonesien.

Anders als Bali ist Thailand für seinen offen praktizierten Sextourismus bekannt. Neuester Verkaufshit der französischen Tourismusfirma „Aurore“ ist im Roman der „Aphrodite Club“, wo Exotikurlaub mit erotischen Serviceleistungen verbunden wird. Der Vorteil für den Westtouristen: Er muss nicht mehr außerhalb des Ferienclubs nach Sex-Angeboten suchen. „All inclusive“ bekommt eine ganz neue Bedeutung.

Was Houellebecq als Paradies für erotisch verzagte Europäer beschreibt, endet in der Hölle. Im südthailändischen Strandort Krabi explodiert in der Bar „Crazy Lips“ eine in einer Sporttasche versteckte Splitterbombe. Gleichzeitig stürmen „Männer mit Turban“ den „Aphrodite Club“ und mähen die Gäste mit Maschinengewehren nieder. Wegen der Interview-Äußerung, der Islam sei „die dümmste Religion überhaupt“ steht der Autor in Paris zurzeit wegen Verleumdung vor Gericht. Auch sein Roman, den viele als Apologie des Sextourismus verstanden haben, wurde scharf angegriffen. Wenn Kuta in Bali auch nicht mit Houellebecqs „Krabi“ zu vergleichen ist: Die Terror-Gefahr für Fernostreisende hat der Franzose wie kein anderer vorausgeahnt. clw

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