Zeitung Heute : Vitaminbombe ohne Nebenwirkungen Sanddorn ist für Mensch und Tier eine Offenbarung

Foto: Tassilo Wengel
Foto: Tassilo Wengel

Von Sanddornsaft bis Sanddornkonfitüre bieten Bioläden, aber auch Supermarktketten und Privatleute eine ungeahnte Fülle von Produkten aus Sanddorn an. Besonders in den letzten Jahren hat sich dieser „Wunderstrauch“ in Deutschland mehr und mehr etabliert und ist in vielfältigen Varianten – auch mit anderen Obstarten gemischt – zu einem kulinarischen Leckerbissen geworden. In Asien schon seit Jahrtausenden ein wichtiges Nahrungs- und Heilmittel, erlangte er inzwischen auch hierzulande immer größere Bedeutung. Der Gehalt an Vitamin C ist wesentlich höher als bei der Zitrone und der saure Geschmack lässt sich durch die Verwendung des Sanddorns mit Milch oder Joghurt, als Partner von Obst und Gemüse oder als Zugabe zu Fleischgerichten mildern. Außerdem verleihen die Früchte den Gerichten zusätzlich eine aromatische Geschmacksnote.

Die Heimat des Sanddorns (Hippophae rhamnoides) reicht von Europa bis Asien, wo er vielfältige Lebensräume besiedelt. Er wächst als lichtbedürftiges Pioniergehölz auf Sand oder Schotterboden und ist von den Küsten der Nord- und Ostsee bis zum Kaukasus und von Zentralasien bis zur Wüste Gobi verbreitet. Er gehört zur Familie der Ölweidengewächse (Eleagnaceae) und wächst zu einem sparrigen, unregelmäßigen Großstrauch oder kleinen Baum heran. Er kann Höhen von 6 bis 10 m erreichen, bildet Ausläufer und hat silbergraue, stark bewehrte Zweige. Die Verwandtschaft mit den Weiden erkennt man an schmalen, silbrigweiß glänzenden Blättern, die lineal-lanzettlich sind und bis 7 Zentimeter Länge erreichen.

Die Pflanze ist zweihäusig, das heißt, es gibt männliche und weibliche Pflanzen. Im März und April entwickeln sich an den weiblichen Pflanzen unscheinbare, hellgrüne Blüten, aus denen sich nach Bestäubung durch die rotbraunen, kugeligen Blüten der männlichen Pflanzen leuchtend orangerote Früchte bilden. Landläufig als Beeren bezeichnet, handelt es sich in Wirklichkeit um Steinfrüchte, denn die feste Haut umhüllt das Fruchtfleisch und den harten Samen. Sie locken zahlreiche Vögel an, die gern die Früchte naschen. Aber auch als gesamte Pflanze ist der Sanddorn wichtig, bietet er doch bis zu 20 verschiedenen Vogelarten Schutz und Nistplätze. Die stachligen Dornen halten zudem Wild- und Weidetiere ab, die Blätter und Früchte fressen möchten. Deshalb wird der Sanddorn im Landschaftsbau auch häufig als Heckenpflanze und Vogelnährgehölz verwendet. Die Ansprüche an den Standort sind gering. Bis zu drei Meter tief schickt der Sanddorn seine Pfahlwurzel in den Boden und kann auch gut an unbefestigten Standorten wachsen. Dünen und Ufer oder Böschungen an Flüssen und Bächen, aber auch Felsabhänge in Gebirgen sind Standorte, an denen der Sanddorn gedeihen kann.

In unseren Gefilden findet man ihn deshalb auch oft im Sand der Dünen oder anderem kargen Untergrund. Im Landschaftsbau benutzt man ihn deshalb auch gern zum Befestigen künstlicher Böschungen, oder zur Rekultivierung ehemaliger Tagebaugebiete oder Ödland. Aber der Sanddorn ist nicht nur anspruchslos an den Standort. Er verträgt auch Wind gut und ist unempfindlich gegenüber Rauch und Abgasen. Als pflegeleichter Strauch ist er deshalb vielseitig einsetzbar und außerdem mit seinen Früchten eine wertvolle Wildobstart.

Für den Garten ist der Sanddorn nur dann geeignet, wenn die richtigen Sorten ausgewählt werden, weil sich die Wildart schnell durch Wurzelausläufer ausbreitet. Empfehlenswert sind gemischte Hecken mit Sanddorn und anderen Laub abwerfenden Gehölzen an einem sonnigen Standort. Der Boden sollte unbedingt tiefgründig, locker und durchlässig sein. Schwere Lehmböden oder verdichtete Böden verträgt der Sanddorn schlecht.

Aus der Vielzahl der Sanddornsorten haben sich vor allem Askola, Dorana, Frugana, Hergo und Leikora als weibliche Pflanzen mit Fruchtbildung bewährt. Zur Befruchtung verwendet man die männlichen Pflanzen Pollmix 1 bis 5.

Als Sorte für den Ziergarten ist vor allem Leikora zu empfehlen. Sie bildet keine Wurzelausläufer und wächst schnell. Pflanzt man dazu die Sorte Pollmix 2 oder 3, kann man mit reicher Sanddornernte rechnen. Allerdings lösen sich die Früchte bei Leikora recht schwer ab und infolge der reichlich vorhandenen Dornen zusätzlich schwierig. Deshalb schneidet man für die Ernte die fruchttragenden Äste ab. Allerdings trägt die Pflanze dann erst wieder im 3. Jahr Früchte. Ebenfalls gut ist für den Hausgarten die Sorte Dorana geeignet. Ihre Früchte enthalten das meiste Vitamin C und als Befruchtersorte verwendet man Pollmix 3 oder 4. Damit die männlichen Pflanzen nicht zu sehr verkahlen, sollte man sie alle drei bis vier Jahre stutzen.

Den hohen Gehalt der Früchte an Vitamin C entdeckte 1941 Bernhard Hörmann und veröffentlichte seine Erkenntnisse in dem Buch „Die Sanddornbeere, die beste natürliche Vitamin C-Spenderin“. Tatsächlich ist der Gehalt der Sanddornfrucht nach heutigen Erkenntnissen neunmal höher als bei Zitrusfrüchten. Dazu kommt ein Gehalt an Pro Vitamin A (Beta-Carotin), der viel höher als bei der Karotte ist. Auch Vitamin B 12, E, F, K kommt in den Früchten vor, daneben auch Calcium, Eisen, Kalium, Kobalt, Kupfer, Magnesium, Mangan und Zink sowie wertvolle Fruchtsäuren.

Kein Wunder also, dass Sanddorn vielseitig empfohlen wird und nicht nur als Wildobst in der Küche zu verwenden ist, sondern auch in der Kosmetik eine wichtige Rolle spielt. Tassilo Wengel

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