Zeitung Heute : Vitamine: Forschung: Vitamine gegen Krebs?

Vor allem den antioxidativen Vitaminen A (Beta-Karotin), C und E wurde und wird zugetraut, die Zellen vor Sauerstoff-Attacken und Entartung zu schützen und so die Entstehung bösartiger Tumore zu verhindern. Immer wieder propagierten Vitaminforscher Hoch-Dosis-Therapien, die sie manchmal am eigenen Körper ausprobierten. Nobelpreisträger Linus Pauling schluckte - viel hilft viel! - Vitamin C in Mengen, die ganze Elefantenherden aufgepäppelt hätten. Vergeblich, Pauling starb 1994 an Prostatakrebs.

Die Ergebnisse der verschiedenen Vitaminkuren gegen Krebs sind ernüchternd. Studien zeigen zwar, dass viel vitaminreiches Gemüse und Obst auf dem Speiseplan die Rate bestimmter Krebserkrankungen tatsächlich senkt (bestes Beispiel ist der Darmkrebs). Wer die Vitamine aber als Pille in isolierter Form schluckt, ohne dabei die vielen anderen Stoffe der Pflanzen aufzunehmen, der schneidet in der Krebsstatistik schlechter ab. Im Grünzeug ist nämlich sehr viel mehr Gutes drin als nur Vitamine. Erst der Gesamtcocktail sorgt für den schützenden Effekt.

Manchmal können zusätzliche Vitamingaben sogar schaden. In Vergleichsstudien mit hoher Zufuhr von Beta-Karotin (Vitamin A) hatten die Raucher innerhalb der Untersuchungsgruppe eine ungewöhnlich stark erhöhte Lungenkrebs-Rate. Schon 1998 hat deshalb das Bundesinstitut für Verbraucherschutz und Veterinärmedizin vor den Risiken einer Vitamin-A-Überdosierung gewarnt. Die Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln, die vitamingetunte Säfte und Milchprodukte auf den Markt drücken, wurden aufgefordert, kein isoliertes Provitamin A mehr zuzusetzen.

Etwas besser schlug sich Vitamin E in der Krebsprophylaxe. Unter regelmäßig hohen Dosen erkrankten tatsächlich weniger Männer an Prostatakarzinomen. Gleichzeitig stieg aber ihr Risiko für Schlaganfälle. Der "Nettonutzen" blieb aus. Auch für Multivitamin-Präparate kann die Krebsforschung wenig Erfreuliches berichten. "Die Ergebnisse sind ernüchternd, eine Anwendung von Supplementen (Vitaminpillen) kann aufgrund der offensichtlich gewordenen fehlenden Effekte auf die Krebsmorbidität derzeit nicht empfohlen werden", folgert der Potsdamer Ernährungsforscher Heiner Boeing.

Die Forschung konzentriert sich unterdessen darauf, das komplizierte Zusammenspiel der Vitamine untereinander und mit anderen Substanzen in der menschlichen Stoffwechsel-Fabrik besser zu verstehen. Wenn wir mehr wissen, werden wir vielleicht auch neue, maßgeschneiderte Vitaminkuren entdecken. Solange gilt: Obst und Gemüse - und zwar reichlich!

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