Zeitung Heute : Vitaminspender aus dem eigenen Garten

Die neuen Sanddornsorten haben nur noch wenig Dornen, dafür umso mehr Früchte

Peter Busch

Sanddorn verdankt seine bekannte Wertschätzung dem hohen Gehalt an Vitamin C, der etwa zwanzig Mal so hoch ist wie der von Zitronen. Da das Pflücken der circa acht Millimeter großen, leuchtend orangefarbigen Beeren wegen der mit spitzen Dornen besetzten Zweige kein Vergnügen ist, sind die Wildgehölze nur selten in Gärten zu finden. Mit der Entwicklung neuer Sorten, die nur wenige Dornen, dafür aber umso mehr Früchte aufweisen und kompakt wachsen, ist ein Anbau wieder empfehlenswert geworden.

Da die abgetragenen zwei- bis dreijährigen Seitenzweige bei der Erziehung zu einem kompakten Strauch normalerweise im Winter eingekürzt werden, bietet es sich zur Erntezeit an, die mit Früchten überreich besetzten Zweige abzuschneiden und in einem Folienbeutel schockartig einzufrieren. Die gefrorenen Beeren lassen sich dann leicht von den Zweigen schütteln. Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass die Beeren nach einer Frosteinwirkung süßer schmecken und somit noch veredelt werden. An den Hauptästen reifende Früchte schneidet man mit der Schere ab. Sie sitzen meist so fest, dass die Fruchthaut beim Pflücken aufreißt und der Saft herausläuft.

Aus den Beeren wird in der Regel mit Hilfe eines Dampfentsafters Sanddornsaft gewonnen, der trotz der Erhitzung seinen hohen Vitamingehalt behält und auch als Marmelade und Gelee zubereitet werden kann. Sanddornmark erhält man, indem die Früchte mit etwas Wasser gekocht und nach dem Platzen der Beeren durch ein Haarsieb gestrichen werden.

Mit der Anpflanzung nur eines Sanddornstrauchs im Garten ist es aber nicht getan. Um Früchte zu ernten, benötigt man ein männliches Exemplar Pflanze, die für bis zu zehn weibliche Pflanzen zur Bestäubung reicht. Da Sanddorn zu den Windbestäubern gehört, ist bei der Pflanzung auf eine günstige Windrichtung zu achten. Als empfehlenswerte weibliche großbeerige, ertragreiche sowie vitaminstarke Fruchtsorten lassen sich Leikora, Hergo und Frugana und als männliche Sorte Pollmix nennen.

Sanddorn, der natürlicherweise bei uns als Pionierpflanze in Alpentälern oder am Meer vorkommt, benötigt im Garten keinen besonderen Boden. Er verträgt Wind, Hitze und Trockenheit und liebt die pralle Sonne. Nur Bodenverdichtung und Staunässe behagen ihm nicht. Die Pflanzen lassen sich gut in Sichtschutz- und Vogelschutzhecken integrieren, und die Früchte sind natürlich auch bei Vögeln beliebt. Die Beeren erscheinen erstmalig nach zwei bis drei Jahren und reifen je nach Sorte von Ende August bis Anfang Oktober. Mit der Ernte sollte man nicht zu lange warten, da sie sonst ausbleichen, ihre Inhaltsstoffe zersetzt werden und sie zudem anfangen, ranzig zu schmecken.

Der Verzehr der Sanddornprodukte den Winter über ist dann die Belohnung für den Anbau und stärkt die Abwehrkräfte bei Erkältungs- und anderen Infektionsgefahren. Peter Busch

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