Zeitung Heute : Viva Mexico

Für Nacho-Fans

Elisabeth Binder

VON TISCH ZU TISCH

VIVA MEXICO, Chausseestraße 36, Mitte, Telefon 28 07 865/6, geöffnet täglich ab 17 Uhr. Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Ja, auch das gibt es: ein Restaurant ohne Nachtisch. Ich glaube, dass es im Grunde besser und ehrlicher ist, auf einen Dessertteil in der Karte ganz zu verzichten, als ihn mit irgendwelchen lieblosen Industrieprodukten anzufüttern. Das „Viva Mexico“ war mir als besonders authentisch empfohlen worden, und es bezeichnet sich auch selber so: als Restaurant „autentico Mexicano“. Schon der erste Blick legt nahe, dass es genau das auch ist. Ein kleines Restaurant mit dem Charme des Selbstgebastelten, die Wände rot und grün gestrichen; in dem Übergang zwischen dem ersten und dem zweiten kleinen Gastraum stapeln sich Flaschenkisten. Der hintere Teil wird von Kerzen beleuchtet, an den Wänden hängen getrocknete Blumensträuße und Mexico-Poster, die Holztische sind natürlich blank, die Küche ist offen. Es ist weder schick noch heruntergekommen, sondern sieht genauso aus wie ein kleines Restaurant in einem armen Land.

Die Bedienung sprach kaum ein Wort Deutsch, tastete sich an den Nummern lang, die in der von Plastikschonern geschützten Speisekarte die Gerichte kennzeichneten, war aber sehr freundlich. Richtig strahlend, um exakt zu sein. Klar, dass es voll war. Dazu tragen wahrscheinlich auch die extrem moderaten Preise bei.

Gut, die Margaritas waren ein wenig labberig. Kürzlich hatte ich Gelegenheit, an einer überaus leidenschaftlich geführten Diskussion über das beste Margarita-Rezept teilzunehmen, und dieses Getränk war von den dort aufgeführten Kandidaten leider weit entfernt. Dafür lernten wir von der netten Chefin immerhin, dass es die Gringos waren, die den Salzrand dazu erfunden haben. Wissenshäppchen, die man so braucht, um durch das flüssige Leben zu kommen.

Die Gemüsesuppe war, wo es um die Würzung geht, ebenfalls ein bisschen auf der labberigen Seite, dafür aber offensichtlich selbst gekocht aus viel frischem Gemüse und insofern dann doch noch ein schlichter, aber überzeugend gesunder Genuss für drei Euro. Ganz köstlich war die Tortillasuppe, in der sich deutlich mehr der Aromen Mexikos entfalteten, mit Guacamole obendrauf. Die sollte man sich hier nicht entgehen lassen (3 Euro). Der chilenische Cabernet Sauvignon war etwas enttäuschend, es war aber auch nicht der von Mondavi, natürlich nicht, bei dem Preis (3,50 Euro). Besser gleich den mexikanischen Iguado Chenin Blanc trinken, der ist schon ganz okay (3,50 Euro).

Nun gibt es in der Stadt eine kleine Gemeinde von Nacho-Fans, die immer auf der Suche sind nach dem ultimativen, wenngleich vielleicht nicht völlig authentischen Nacho-Genuss, wie man ihn zum Beispiel in den südwestlichen US-Staaten bekommen kann: großzügige Portionen Tortillachips mit vielen Lagen Käse, Bohnenmus, Jalapenos, Chilis, Salatstreifen, saurer Sahne, Guacamole, scharfer Salsa, Hackfleisch, kurz mit dem, was die Amerikaner: „all the works“ nennen. Es wäre im Grunde genommen ganz einfach, das hinzubekommen, und ich verstehe nicht, warum es niemand wirklich erfolgreich versucht. Hier sind sie vom Ergebnis her scheinbar weit weg, aber im Grunde nah dran. Die Veggie-Nachos bestehen zwar nur aus einfachen Tortillachips mit Tomatenwürfeln, wenig Bohnenmus und Käse überbacken, wie eine mexikanische Variante der Pizza Margarita (7,50 Euro). Aber dafür gab es schon vorweg zwei Miniaturschüsselchen mit roter und grüner Salsa, beide schön scharf, und den Rest bieten die so genannten „Extras“ für jeweils einen Euro: saure Sahne, Jalapenos etc.

Nur die Guacamole muss man sich für fünf Euro aus den Vorspeisen herausfischen. Dafür ist sie offensichtlich selbst gemacht mit frischem Koriander und wird serviert in einer schwarzen Steinschale. Sie ist so gut, dass man sie getrost auch am Tisch zubereiten könnte, wie es in gehobenen mexikanischen Erlebnisrestaurants gelegentlich angeboten wird. Das alles ist zwar noch weit von den raffinierten Salsabars entfernt, mit denen anderswo diese Küche propagiert wird, aber es ist ein ganz guter Anfang.

Etwas trocken waren die Jumbo Burritos, gefüllt mit Hackfleisch und Reis. Es gab Salat dazu, aber so gut wie keine Extras, da könnte man noch dran arbeiten, selbst wenn es einen Euro teurer würde (6,50 Euro). Wahrscheinlich trauen sie sich hier schlicht nicht, die Preise zu erhöhen und dafür die gute Qualität noch ein bisschen luxuriöser zu gestalten. Vielleicht fürchten sie durch das Anfeuern des Geschmacksreichtums auch einen Verlust von Authentizität.

Acht Jahre lang hat die Chefin mit dem klangvollen Namen Rosalba Navarro de Morgenroth auf diese Weise schon durchgehalten, und dies in einer Gegend, in die man sich nicht zufällig verirrt, wenn man ausgehen will. Wahrscheinlich reicht ihr das. Aber im Namen all meiner Freunde aus dem Nacho-Fanclub würde ich ihr doch raten wollen, den nächsten Schritt wenigstens zu versuchen.

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