Zeitung Heute : Viva Vivaldi

Der populärste Komponist Venedigs im Festspielprogramm

Babette Kaiserkern

Als Komponist ist Antonio Vivaldi bis heute ein Phänomen geblieben. Sein Ruhm gründet wohl auf einem einzigen Werk, den 1725 entstandenen „Vier Jahreszeiten“. Doch neben diesem barocken Blockbuster sowie rund 250 weiteren Violinkonzerten finden sich in Vivaldis riesiger Werkliste Solokonzerte für viele andere Instrumente wie Viola, Violoncello, Flöte, Oboe, Fagott sowie zwei Mandolinenkonzerte. Erst langsam rückt ins Bewusstsein, dass ein Großteil von Vivaldis Schaffen der Vokalmusik gegolten hat. Neben zahlreichen geistlichen Werken wie Motetten, Messen und Oratorien, komponierte er 50 Opern.

Zwölf Jahre lang leitete Antonio Vivaldi, der mit 25 Jahren zum Priester geweiht wurde, das Mädchenorchester am Ospedale della Pietà in Venedig, in dem verwaiste und unehelich geborene Mädchen erzogen wurden. Der temperamentvolle junge Mann, der wegen seiner roten Haare „prete rosso“ („roter Priester“) genannt wurde, wurde ein beliebter Musiklehrer , Chor- und Orchesterleiter.

Bald galten die Konzerte, bei denen er seine eigenen Kompositionen dirigierte, als musikalische Höhepunkte im venezianischen Kulturleben. Anschließend arbeitete Antonio Vivaldi als Komponist und Impresario in ganz Norditalien.

Besonders gute Beziehungen bestanden zu Verona, wo 1732 das prachtvolle Teatro Filarmonico mit der Aufführung von Vivaldis Oper „La fida ninfa“ eröffnet wurde. Nachdem er wegen seines Lebensstils bei den Kirchenoberen in Ungnade gefallen war, suchte Vivaldi Zuflucht in Wien, fand aber kaum Beachtung. Dort starb er unter elenden Verhältnissen und wurde, wie Mozart, mit einem Armenbegräbnis beigesetzt.

Die Musikfestspiele Potsdam Sanssouci widmen sich dem unbekannten Phänomen Vivaldi dieses Jahr besonders ausführlich. Ein wissenschaftliches Kolloquium in Zusammenarbeit mit dem Istituto Italiano Antonio Vivaldi erörtert Leben, Werk und Rezeptionsgeschichte, bei einer abendlichen Vivaldi-Lounge kann man heutigen Interpreten und Apologeten begegnen.

Einen musikalischen Krimi um „Antonio V.“ hat das Persius-Ensemble für Kinder ab 8 Jahren vorbereitet. Der Gitarrist und Mandolinist Rolf Lislevand und sein Ensemble bringen Solokonzerte und Trios für Zupf- und Streichinstrumente zu Gehör.

Das Ensemble „Europa Galante“ unter der Leitung von Fabio Biondi lässt Arien, Konzerte und Sinfonien mit traditionellen Instrumenten auferstehen. Babette Kaiserkern

Schlosstheater, Sonnabend, 21. Juni, 11 Uhr: Vivaldi-Kolloquium; Palmensaal / Neuer

Garten, 15 Uhr: „Antonio V.“

– ein musikalischer Krimi;

Schlosstheater, 17 Uhr: Konzert;

Friedenskirche, 20 Uhr: Konzert;

Nikolaisaal, 22 Uhr: Vivaldi-

Lounge mit Vorführung des

Fernsehfilms „Viva Vivaldi“

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