Zeitung Heute : Volksbank und DaimlerChrysler: Das Geschäft am Potsdamer Platz

Im März 1997 kündigte der damalige Vorstand der Berliner Volksbank, Rudolf Prast, den Start für den Neubau einer 150 Millionen Euro teuren Zentrale am Messe- Ecke Kaiserdamm an. Das Gebäude sollte nach Plänen von Eike Becker aus dem Büro Becker, Gewers, Kuehn&Kuehn entstehen, der 1995 den Architekturwettbewerb gewonnen hatte. Doch nur acht Monate später kam das Aus für das Charlottenburger Projekt. Wiederum Prast war es, der den Erwerb des 35 000 Quadratmeter großen Blocks C2 / C3 von Architekt Arata Isozaki am Potsdamer Platz ankündigte. Begründung: Das Bürohaus sei billiger als ein Neubau in Charlottenburg. Doch dies war nicht der Fall: 210 Millionen Euro bezahlte die Volksbank an DaimlerChrysler für deren Gebäude am Potsdamer Platz. Und drei Jahre später verriet der neue Vorstandschef des inzwischen in Schieflage geratenen Geldhauses die tatsächlichen Kosten der Immobilie: Mit 40 Euro pro Quadratmeter übertrafen sie bei weitem die in der Stadt sonst bezahlten Spitzenmieten. Um ihre Kosten zu senken, verkaufte die Berliner Volksbank Mitte 2000 zunächst einen Teil der Immobilie, 4500 Quadratmeter Nutzfläche, an den Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken. Der Verband verhindert seit 1998 mit Kapitalspritzen und Bürgschaften die Insolvenz der Berliner Volksbank. Anfang dieses Jahres zog sich die Volksbank dann ganz vom Potsdamer Platz zurück und sucht seither einen Mieter für die kostspielige Immobilie. Das Grundstück am Messedamm 1 hatten die Banker einer eigenen Gesellschaft übertragen. An der beteiligte sich DaimlerChrysler 1997, in jenem Jahr also, als die beiden Partner auch das Grundstücksgeschäft am Potsdamer Platz abschlossen.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben