Zeitung Heute : Voll Gas

Dagmar Dehmer

Die EU-Kommission hat ihre Pläne für den Co2-Ausstoß im Straßenverkehr vorgelegt. Wie können Autofahrer erkennen, wie viel Kohlendioxid ihr Wagen in die Luft pustet?


Das Vorhaben der EU-Kommission, die Fahrzeugproduzenten dazu zu verpflichten, bis 2012 nur noch Autos auf den Markt zu bringen, die im Schnitt nicht mehr als 130 Gramm pro Kilometer Kohlendioxid (CO2) ausstoßen, hat erst einmal keine Auswirkungen auf die Autofahrer. Ihre Fahrzeuge sind längst produziert und rollen schon seit Jahren über die Straßen. Eine Minderung des CO2-Ausstoßes der rund 46 Millionen Autos in Deutschland ist mit dieser Entscheidung also nicht zu erreichen.

Diesem Problem ist Deutschland bisher vor allem mit der Ökosteuer zu Leibe gerückt. Durchaus mit Erfolg. Der CO2-Ausstoß aus dem Verkehr ist in den vergangenen Jahren immer leicht gesunken. Allerdings dürften die hohen Spritpreise durch den hohen Ölpreis dabei nachgeholfen haben. Kommt es zu einer Stabilisierung der Spritpreise, rechnet das Umweltbundesamt nicht mehr mit einem weiteren Sinken des CO2-Ausstoßes beim Verkehr.

Die wenigsten Autofahrer wissen, wie viel CO2 ihr Fahrzeug in die Luft bläst. Almut Gaude, Sprecherin des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) gibt eine Hilfestellung. Wird ein Liter Normalbenzin verbrannt, entstehen 2,37 Kilogramm CO2, bei der Verbrennung eines Liters Diesel entstehen 2,64 Kilogramm. Wer wissen will, wie klimaschädlich Wagen und Fahrweise sind, multipliziert den Durchschnittsverbrauch mit dem Faktor 23,7 bei einem Benziner und mit dem Faktor 26,4 beim Dieselauto. So errechnet sich der CO2- Ausstoß in Gramm pro Kilometer. Nach Informationen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) lag im Jahr 2004 der durchschnittliche CO2- Ausstoß der zugelassenen Fahrzeuge bei 199 Gramm pro Kilometer bei Benzinern und bei 183 Gramm pro Kilometer bei Dieselfahrzeugen.

Ein Messgerät, das einen Fahrer darauf aufmerksam macht, wenn er gerade besonders klimaschädlich unterwegs ist, gibt es aber noch nicht. Dabei wäre es bestimmt eine erfolgreiche Geschäftsidee, ein Gerät zu entwickeln, das einen warnt, wenn die Geschwindigkeit zu hoch, der Reifendruck zu niedrig ist, oder die Elektrik streikt. Denn all das erhöht den Spritverbrauch und damit den CO2-Ausstoß.

Fahrschulen und Autoclubs bieten seit Jahren Kurse zum umweltfreundlichen Fahren an. „So ein Training macht sich schnell bezahlt“, heißt es beim Verband der deutschen Automobilindustrie. Geraten wird, nicht zu schnell und bei niedrigen Drehzahlen zu fahren. Der Schwung des Fahrzeugs soll genutzt werden, um möglichst gleichmäßig zu fahren. An roten Ampeln oder vor Bahnübergängen und im Stau den Motor ausschalten. Die Klimaanlage nur dann zu nutzen, wenn es wirklich nötig ist. Die Deutsche Automobil Treuhand GmbH, die auch einen Leitfaden zum Kraftstoffverbrauch von Neuwagen herausgibt, rät darüber hinaus, den Kofferraum zu entrümpeln, und nur dann mit Dachaufbauten herumzufahren, wenn dort auch etwas transportiert wird.

Den besten Dienst am Klima tun Autofahrer dann, wenn sie nicht Autofahren, sondern zu Fuß, mit dem Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind. Der Verkehrsforscher Konrad Götz vom Institut für Sozialökologische Forschung (ISOE) rät, die eigenen Reisen und Wege „multioptional“ zurückzulegen, also für jede Teilstrecke die beste und bequemste Variante zu finden. Planen lasse sich das am besten im Internet.

Wer wissen will, wie viel CO2 Neuwagen ausstoßen, findet den Leitfaden mit allen Wagentypen im Internet: www.dat.de

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