Zeitung Heute : Volle Fahrt voraus

Vor allem die Touristen bringen die Berliner Stern- und Kreisschifffahrt auf Erfolgskurs

Katja Gartz

Berliner trifft Jürgen Loch auf seinen Schiffen eher selten. Dabei ist er Geschäftsführer der Stern- und Kreisschifffahrt, der größten Fahrgastreederei Berlins. Dafür lassen es sich die meisten Touristen nicht entgehen, Berlin vom Wasser aus zu erkunden. Besonders gefragt ist die Fahrt durch die Innenstadt. „Bei der City-Tour sind 98 Prozent der Gäste Berlinbesucher“, sagt Loch. Danach folgen auf der Beliebtheitsskala die sogenannten Linienfahrten von den Anlegestellen in Treptow, am Wannsee und in Tegel.

Auch wenn noch offen ist, wie die Herbstsaison verläuft, blickt der Geschäftsführer optimistisch auf das laufende Geschäftsjahr. „Wir hatten einen sehr guten Saisonstart im Frühjahr und wegen des guten Wetters an den Feiertagen viele Gäste“, sagt der 46-Jährige.

Weniger gut läuft das Chartergeschäft. Firmen entscheiden sich eher für zweistündige und gegen die fünfstündige Tour, und beim Essen bestücken eher Buletten als Garnelen das Büfett. „Der Rückgang von 15 Prozent ist eindeutig durch die Krise bedingt“, sagt Loch. Ähnlich wie in Hotels seien Unternehmen auch auf den Schiffen sparsamer. Besser als 2008 laufen dagegen Fahrten von Berlin nach Stettin oder die eigenen Veranstaltungen wie „Wannsee in Flammen“, eine Tour auf dem Wannsee mit Musik, Tanz und Feuerwerk.

„Die Wirtschaftskrise ist für uns kein Grund, pessimistisch zu werden“, sagt Loch. Um den Umsatz des vergangenen Jahres zu erreichen, investiere er mehr in zusätzliche Werbemaßnahmen. Außerdem hat sich die Stern- und Kreisschifffahrt im August mit 14 für Touristen interessanten Adressen zu den Berlin-Stars zusammengeschlossen. Dazu zählen beispielsweise die Neue Nationalgalerie, der Fernsehturm, Zoo und Tierpark sowie der Friedrichstadtpalast. Gemeinsam geben sie ein kostenfreies Bonusheft heraus. Das Motto lautet: Einmal normal zahlen, 13 Mal sparen. „Die touristische Entwicklung fängt gerade erst an“, ist Jürgen Loch, der gelernte Banker aus Hamburg, überzeugt. Berlin habe für ihn viele Pluspunkte: Die Stadt sei unkompliziert, in Bewegung, kulturell wichtig und ein Knotenpunkt in Europa. Nur finanzkräftige Mäzene fehlten hier.

Zur Flotte des traditionsreichen, 1880 gegründeten Unternehmens zählen 32 Fahrgastschiffe, sechs BVG-Fähren und das Eventschiff La Paloma. Es gehört heute zur Hegemann-Gruppe Bremen, wie beispielsweise auch die Volkswerft Stralsund. Die Geschäftsführung teilt sich Jürgen Loch mit Horst Meyer. In den vorigen drei Jahren erhöhte sich die Mitarbeiteranzahl von 250 auf 270. Hundert davon sind fest angestellt, der Rest Saisonkräfte, die acht bis neun Monate auf den Schiffen arbeiten.

Seit vier Jahren bildet die Fahrgastreederei wieder Nachwuchs aus. Unter den zwölf Azubis sind angehende Matrosen, Motorenwärter und Kaufleute für Tourismus und Freizeit. Gemeinsam mit der Meran-Oberschule in Köpenick veranstaltet die Stern- und Kreisschifffahrt jährlich eine Woche lang ein Fremdsprachenprogramm. Rund 70 bis 80 Schüler erklären den Gästen alle Sehenswürdigkeiten auf Englisch, Russisch oder Französisch. Ansonsten gibt es für Gäste eine GPS-gesteuerte Stadtbilderklärung auf Englisch.

www.sternundkreis.de

Wir hatten einen sehr guten Saisonstart im Frühjahr und

wegen des guten Wetters an den Feiertagen viele Gäste.

Und die touristische Entwicklung fängt gerade erst an.“

Jürgen Loch,

Geschäftsführer der Stern- und Kreisschifffahrt

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