Zeitung Heute : Volle Häuser

Die lange Shoppingnacht eröffnet auch in diesem Herbst die Aktion „Winterzauber“

Cay Dobberke

Die Veranstalter der Langen Nacht des Shoppings und Berlins Tourismuswerber kooperieren seit Ende 2004 noch enger als zuvor. Dazu führte ein Zufall: Wegen Bauarbeiten auf dem Breitscheidplatz hatte die vorige Einkaufsparty nicht wie gewohnt am Tag der Uhren-Umstellung im Oktober stattfinden können – sie musste auf Anfang November verschoben werden. Das ermöglichte es, die Shoppingnacht zur Auftaktveranstaltung der ersten „Winterzauber“-Kampagne der Berlin Tourismus Marketing GmbH (BTM) zu machen. Inzwischen hat sich die Zusammenarbeit verfestigt: Es ist bereits vereinbart, dass die Lange Nacht des Shoppings auch den zweiten „Winterzauber“ Ende 2005 eröffnen wird.

Die Idee für die neue Werbeaktion war am „Runden Tisch“ für Tourismus entstanden. Zu diesen Treffen lädt der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) regelmäßig Wirtschaftsvertreter und Tourismusexperten ein. Das winterliche Berlin könne mit besonderen Reizen locken, fanden die Teilnehmer. Der größte Publikumsmagnet in der Wintersaison ist die Silvesterparty am Brandenburger Tor, die auch im vorigen Dezember wieder eine Million Menschen anlockte. Als Attraktionen, die sich weltweit gut bewerben lassen, gelten auch die mehr als 50 Weihnachtsmärkte sowie die Eisbahnen in der City, Kutschfahrten durch die historische Mitte oder der Roncalli-Winterzirkus.

Für das Pilotprojekt stellte das Land Berlin drei Millionen Euro zur Verfügung und beauftragte die Berlin Tourismus Marketing GmbH mit der Umsetzung. Das Ziel: Von November 2004 bis Anfang Januar 2005 sollten mindestens 600 000 zusätzliche Übernachtungen in der Stadt erreicht werden.

Tatsächlich wurden die Erwartungen weit übertroffen, wie eine gerade fertig gestellte Bilanz der BTM zeigt. Demnach gab es „insgesamt 1,23 Millionen Übernachtungen im Kampagnenzeitraum“. An allen Advents-Sonntagen verzeichneten die Hotels eine durchschnittliche Auslastung zwischen 70 und 80 Prozent. Am Silvesterwochenende waren sogar 95 Prozent der Hotelbetten belegt.

Außer der Landesregierung hatte sich auch die Berliner Wirtschaft finanziell stark engagiert: Die Hotellerie steuerte 250 000 Euro bei, der Handelsverband Berlin-Brandenburg zahlte 50 000 Euro. Darüber hinaus halfen 50 Kooperationspartner mit Sachleistungen und Sponsoring. Insgesamt hatte die Kampagne nach Angaben der BTM schließlich einen Wert von rund 8,2 Millionen Euro. Zahlreiche Hotels senkten ihre Zimmerpreise, und Air Berlin bot besonders günstige Flüge an.

So wurde das Projekt zur „größten touristischen Einzel-Marketingkampagne einer deutschen Stadt“, wie es in der Bilanz heißt. Im In- und Ausland wurden 710 Fernsehspots und 160 Anzeigen geschaltet. In deutschen Einkaufszentren und Fußgängerzonen warben außerdem knapp 1300 Plakate auf erleuchteten „City Light Boards“ der Firma Wall. Eine wichtige Rolle spielte auch das Internet. Die Webseite „www.winterzauber-berlin.de“ wurde täglich bis zu 8000 Mal aufgerufen.

Bis zu 25 Millionen Euro an Steuereinnahmen sollen Berlin allein durch die zusätzlichen Übernachtungen von Anfang November bis Anfang Januar zugeflossen sein. Dies schätzt die BTM anhand eines gängigen Berechungsmodells, das vom Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Institut für Fremdenverkehr (dwif) stammt. Damit habe sich „das von der Politik eingesetzte Kapital von drei Millionen Euro als sehr rentabel erwiesen“.

Außerdem sei es der Hauptstadt gelunden, sich „als zentraler vorweihnachtlicher Einkaufsplatz zu etablieren“, sagt BTM-Sprecher Gerhard Buchholz, der als Projektleiter für den „Winterzauber“ zuständig ist. Dazu habe natürlich auch die Kooperation mit der Langen Nacht des Shoppings beigetragen.

Die Tourismuswerber freuen sich aber nicht nur über den wirtschaftlichen Erfolg. Die Stadt habe außerdem einen „bedeutenden Imagegewinn“ erzielen können und international an Aufmerksamkeit hinzugewonnen. Kein Wunder also, dass die Kampagne in den nächsten Jahren fortgesetzt werden soll. Angesichts der Berliner Haushaltsnöte muss der Aufwand jedoch verringert werden. Beim diesjährigen „Winterzauber“ wird der Landeszuschuss voraussichtlich auf 1,5 Millionen Euro halbiert. Die Wirtschaft soll mindestens einen Betrag in derselben Höhe beisteuern.

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