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Das Chinaschilf bietet eine Vielfalt von Sorten

Zierpflanze oder Nutzpflanze? Das Chinaschilf (Miscanthus) ist beides. Als nachwachsender Rohstoff liefert das Riesengras Fasern und Energie. Als Gartenpflanze begeistert es mit eleganter Gestalt, verschiedenfarbigen Federblüten, saftigem Grün und oft glühender Herbstfärbung. Ein Miscanthus gehört in jeden Garten, heißt es. Wer die Vielfalt der Sorten kennt, kommt jedoch mit einem Exemplar kaum aus.

In Japan, China und Korea liegt die Heimat des Schilfs. Von dort aus eroberte es die Welt. So wächst Miscanthus sinensis, die für den Garten wichtigste Art, verwildert in Europa wie in Nordamerika. Vor allem in den wärmeren Regionen bildet sie stattliche Haine. Nur bei uns hat sie außerhalb der Gärten nicht Fuß fassen können. Das Klima ist zu rau. Sie kommt daher selten zur Blüte.

Lange Zeit galt die mannshohe ,Silberfeder‘ als einzige Gartensorte, die zuverlässig silbrige Wedel aufsteckt. Einer der ersten Züchter, der mehr im Chinaschilf sah, war Ernst Pagel aus dem ostfriesischen Leer. Der 2006 verstorbene Züchter brachte viel versprechende Formen unter Glas zur Blüte, kreuzte und selektierte. Kleiner Wuchs, zuverlässige, gut über dem Laub stehende Blüten, früh blühende Formen, die noch ein Mal nachblühen und schöne Herbstfärbung waren seine Zuchtziele.

Heute bestimmen seine Schöpfungen das Sortiment und Züchter weltweit bauen auf seinen Sorten wie ,Hermann Müssel‘, ,Ferner Osten‘ oder ,Gewitterhimmel‘ auf. Als wohl schönste Züchtung gilt ,Malepartus‘ mit straff aufrechten, silberrotbraunen Blütenständen, die bis zu zwei Meter hoch über dem Laub aufragen. ,Kleine Fontäne‘ ist das graziöse Gegenstück mit einer Blütenhöhe von etwa 160 Zentimetern.

Ein hübsches Farbenspiel entfacht ,Ghana‘, deren Blätter ab August in Rottönen schwelgen. ,Sioux‘ ist ein Zwerg unter den Riesengräsern. Blühend erreicht die Sorte nur 70 Zentimeter Höhe. Mit dunkelrotem Laub und leuchtend roter Herbstfärbung macht sie ihrem Namen alle Ehre. Ein Kapitel für sich bilden die Sorten mit weiß gestreiften Blättern: ,Zebrinus‘ ist eine der bekanntesten, ,Pünktchen‘ zeigt Querstreifen in Gelb. ,Morning Light‘ zaubert mit weißen Längsstreifen Lichtflecken.

Wem die normalen China-Schilf-Sorten noch nicht groß genug sind, der kann zu Miscanthus x giganteus ,Aksel Olsen‘ greifen. Das Riesenchinaschilf mit seinen 350 Zentimetern Höhe entstand in Japan als natürliche Kreuzung zwischen Miscanthus sacchariflorus und Miscanthus sinensis. Wie die imposante Pflanze 1930 zum dänischen Botaniker Aksel Olsen kam, weiß heute niemand mehr. Fest steht, dass sie wenig später überall in Europa angeboten wurde.

In den 60er Jahren tauchten erste Ideen auf, das schnellwüchsige Gras zur Nutzpflanze zu machen. Der dänische Landwirt Flemming Junker hatte die Vision, Miscanthus als Zelluloselieferant zu nutzen – und hatte vielen Zweiflern zum Trotz Erfolg.

Noch wichtiger erscheint heute die Verwendung als Energielieferant. Miscanthus zählt zu den C4-Pflanzen. Das bedeutet, die Pflanze baut durch die Assimilation Zuckermoleküle auf, die gleich vier Kohlenstoffatome enthalten. Dadurch bindet sie wesentlich mehr Sonnenenergie als C3-Pflanzen, zu denen die Mehrzahl der Pflanzen gehört, sowie ein Viertel mehr Kohlendioxid.

Entsprechend nimmt das Interesse am Anbau der Riesengräser langsam zu. 2006 wuchs Miscanthus in Europa auf rund 2200 Hektar ehemaligen Brach- und Restflächen, erzählt Ralf Pude, Geschäftsführer der Lehr- und Forschungsstationen der Universität Bonn. Die Tendenz ist steigend – und die vielen Pflanzen in den Gärten sind dabei noch gar nicht mitgerechnet. dpa/Tsp

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