Zeitung Heute : Voller Antrieb

Roland Knauer

Benzin und Diesel werden teurer, Abgase belasten die Umwelt. Das Wasserstoffauto könnte eine Alternative sein. Wie umweltfreundlich aber ist die Herstellung von Wasserstoff als Brennstoff?

Erstmals haben Wissenschaftler der renommierten Standford-Universität in Kalifornien untersucht, wie umweltfreundlich Wasserstoff als Kraftstoff ist. Das Ergebnis: Selbst wenn die Forscher weitere Schadstoffe berücksichtigen, die bei der Herstellung, dem Transport oder der Lagerung von Wasserstoff entstehen, fällt die Gesamtbilanz für Brennstoffzellenfahrzeuge überzeugend aus. Jedes Jahr 3700 bis 6400 Todesfälle und ein bis drei Millionen Fälle von Asthma würde eine Umstellung auf Wasserstoff-Fahrzeuge allein in den USA vermeiden, berichtet das Wissenschaftsmagazin „Science“.

Da zwischen Alaska und Florida ein bis zwei Prozent aller Pkw einen Dieselmotor haben, während in Deutschland unter jeder dritten Motorhaube ein Diesel steckt, sollte hier zu Lande der Effekt sogar noch positiver sein, vermutet Werner Reh, Verkehrsexperte der Naturschutzorganisation BUND.

Um die Auswirkungen auf das Klima zu erfassen, haben die US-Forscher außerdem drei Verfahren unter die Lupe genommen, mit denen Wasserstoff hergestellt wird: Am schlechtesten schneidet die Vergasung von Kohle ab, weil dabei jede Menge Treibhausgase entstehen, die das Weltklima aufheizen. Erheblich besser wird die Situation, wenn der Treibstoff der Zukunft aus Erdgas gewonnen wird. Noch weniger belastet wird das Klima allerdings, wenn man Wasserstoff aus nachhaltigen Quellen wie zum Beispiel Windkraftanlagen gewinnt – die Energie könnte dann auch besser gelagert werden.

Angesichts der aktuellen Spritpreise bleibt aber die Frage, ob der saubere Wasserstoffantrieb auch finanzierbar ist. Und da kommen die US-Forscher zu einem überraschenden Ergebnis: Während heute eine Gallone (knapp vier Liter) Sprit in den USA wenig mehr als zwei Dollar kostet, müsste man für die gleiche Energie aus Windkraftwasserstoff zwischen einem und drei Dollar auf den Tisch legen. Da jede Gallone Sprit der US-Volkswirtschaft zusätzlich im Durchschnitt Gesundheitskosten zwischen 0,29 und 1,80 Dollar aufbürdet, dürfte die schöne neue Wasserstoffwelt die Transportkosten in Amerika zumindest auf dem Papier senken. Und weil hier zu Lande der Sprit mehr als doppelt so teuer wie in Amerika ist, dürfte Deutschland von der Umstellung auf Wasserstoffsprit noch stärker profitieren.

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